Schwarzer Splitstaubmodder

„Ach. Man weiß ja nicht, man weiß ja nicht, was kommt.“ „Zum Glück. Aber ich hab dem Paul und Tante Frieda eingebläut: Haarschnitt immer nach der Dauerwelle. Und Messerschnitt für die Stufen. Nicht so über den Finger schneiden. Das hab ich denen eingebläut. Jetzt muß ich aufs Klöchen, wenn ich aus diessem Stuhl herauskomme.“ Ein Chef von irgendeinem städtischen Amt inspiziert mit zwei Beamtinnendas letzte Stück Zone im Schotterzustand. Kann

Dialog (erdachter)

„Du schaust den Leuten nur vor den Kopf.“ „Ich? Nee. Ich schau den Menschen in die Augen, auf die Haare, manchmal Kleidung, ich schau die Hände an und Fingernägel, hin und wieder auf die Schuhe. Ich schaue, ganz wichtig, auf das aktuelle Verhalten, die Stimmlage beim Reden, die kleinen Ausdrücke im Gesicht. Da ist so viel, was man an Menschen erkennen kann. In den Kopf zu schauen, ist erst mal

Baumaschinen

Sie stehen mit glänzenden Augen. Der Bagger startet die Motoren. Sein potenter Arm ist noch ohne Schaufel. Fast springen die Zuschauer über die Absperrung, um genau mitzubekommen, wie der Fahrer die schwere Schaufel federleicht einhängt. So körperlich anstrengend ist diese Begeisterung, dass sie mit dem Rücken Halt an der frisch renovierten Cafe-Hauswand suchen. Dann baggert der Bagger, und so mancher Speichelfaden löst sich von den Lippen. Es sind, nicht ausschließlich,

krank (Gespräch vor dem Tresen)

„Ich hatte ja vor drei Monaten einen Schlaganfall. In der Reha wollten die nur so lächerliche Sachen mit mir machen. Das will doch keiner. Gymnastik. Ich bin nicht gelähmt. Ich seh nur seitdem schlecht. Das hat doch nichts mit Muskeln zu tun. Wir Kranke sind das Melkvieh der Medizin, soviel ist mal sicher. Das hab ich denen auch gesagt. Aber die wollten da nichts von hören und haben mich vor

Aussichten

Tage des Baggers. Im Garten, in der Stadt. Der Boden vibriert. Dieselgestank. Ein neuer Zaun, ein neues Pflaster. Die letzten Meter in der Zone bekommen ihren neuen Fußboden. Ob die Auflage ist, bis Tulpensonntag fertig zu sein? Wo soll denn sonst der Tulpensonntagsumzug hermarschieren, Frohsinn verbreiten und hauptsächlich Süßigkeiten werfen. Die Mendener KarnevalistInnen sind doch berühmt für ihre bunt-blaue Ausgelassenheit. Ich glaube, ich habe gerade eine Weinkönigin aus Woherauchimmer von

Nachtrag

Kurze Zusammenfassung, was vom letzten Juni bis jetzt so aufgeschrieben wurde. Langsam gibt es einen Wortstau in mir. Schon so lange keine Zeile mehr geschrieben, dass die Buchstaben Staub ansetzen. Tintenstaub. Was gibt es auch groß zu berichten. Die Welt ist nicht explodiert. Immerhin. Die Zeugen Jehovas trinken Kaffee in der Oberstadt. Spiel nicht mit den Schmuddelkindern, sing nicht ihre Lieder. Geh doch in die Oberstadt, spiel mit deinen Brüdern.

gut

LehrerInnen schließen die Schule ab, damit SchülerInnen nicht auf die friday for future Demo gehen können. Es ist so daneben. Es tut allerdings auch gut zu sehen, dass Bewegung in der Jugend ist. Und dass Erwachsene so herrlich hilflos hasserfüllt sind. Diesen Schwung gab es schon einmal. Nur gab es damals kein Netz. Das läßt ein wenig hoffen. Wie auch immer. Sie lernen für´s Leben.

Klima

Es ist die Zeit der blauen Fußknöchel, die wunderbar mit dem blauen Himmel harmonieren. Die Barken sind derzeit das Wahrzeichen der kleinen Stadt. Die, und meckernde, genervte FußgängerInnen, sowie genervte und frustrierte AutofahrerInnen. Leider kein friday for future in der kleinen Stadt. Hier gehen die SchülerInnen noch brav in den Unterricht,weil sich in den nächsten dreißig Jahren das Klima in dieser Stadt eh nicht verändern wird. Diese kleine Stadt hat

Sacken lassen

„Nein, ich muß was tun. Muß arbeiten.“ Eine oft genutzte Ausrede. Arbeit geht immer vor. Leben, um zu arbeiten. Der Routine nachgehen, die verhindert, über sich nachzudenken. „Ja, aber man muss doch arbeiten. Oder bist Du so ein Lauschepper vom Stamme ‚Nimm‘. Und schon befürchtet der Mensch, der vor einem steht, die wenigen Habseligkeiten teilen zu müssen. Jede Arbeit, die keinen Schaden anrichtet, ist es wert, sorgfältig, gut und schnell

Alte Flasche, neuer Wein

Jippieh. Und sie bewegt sich doch. Auch, wenn ich das noch nicht so ganz glaube. Wie man auf dem Probenfoto sehen kann. Doch das Programm wächst, wie das Lügenland. Realität und Bühne fließen zusammen. Die Frisörin riecht, als hätte sie zwölf Stunden Frikadellen gebraten. Da möcht man* sich doch gerne die Haare legen lassen. Sie schnipst die halbgerauchte Kippe elegant und im hohen Bogen über den Gehweg. Ihr Lippenstiftabdruck an