Dummes Zeug

„Nichts wird mehr sein, wie es war.“ Gehört dieser Spruch nicht zu nineeleven? Die Kneipe rechts gegenüber ist amtlich, mit neonroten Aufklebern versiegelt. Dafür rückt mir ein Kulturamtsfredi, jetzt als Marktaufpasser zusätzlich eingesetzt, da Corona-Regeln nicht eingehalten wurden, mit seinem Mundschutz so dicht an meinen Mundschutz, als wolle er mich küssen. „Kriegst ne E-Mail von mir. Wegen Kröten vom Land. Vielleicht könnt ihr da was abschöpfen.“ Dann wendet er sich

Arroganz der kleinen Macht

Vor zwei Wochen traf ich einen ehemaligen Arbeitskollegen von der Mendener Zeitung – die Älteren erinnen sich vielleicht an das unabhängige Tagesblatt- im Netto, und wir wetteten um ein Frühstück, wie lange das Ganze wohl dauern würde. Er lag bei max. zwei Monaten, ich bei 2021, sobald der Impfstoff da sei. Allen geht’s recht gut, ausser denen, die sterben, und Herr Laschet, in seiner Arroganz der kleinen Macht, mit lächelnden

Jackpot

„Künftig werden wir vernünftig“, sagt eine Frau auf dem Markt und muss dann selber über ihre Aussage lachen. Die Knochenschinkenresidenz wird laut mit türkischem Pop, aus einem parkenden Auto heruas beschallt. Der heftige Wind reißt mein Gehirn in Fetzen. Jedes Fitzelchen ein Stich. Menschen machen beim Anblick verhungernder Kinder Witze über Spargel, und ich zucke kurz zurück, als ein alter, jetzt leider dementer Freund mir die Hand zum Gruße reicht.

Mensch halt.

„All die Menschen, die wir nicht systemrelevant sind und langsam damit Schwierigkeiten bekommen, zu Hause zu bleiben, sollten uns jetzt ansatzweise vorstellen können, das Isolationshaft Folter bedeutet.“ „Ach was. Das sind zwei Paar völlig verschiedener Masken. Die Diskussionen auf der Straße passen sich der Zeit an. Vielleicht liegt es auch an diesen kleinen Becherchen, die mensch sonst in der Methadon-Abgabe bekommt. Hier werden sie, aus irgendeiner illegalen Quelle mit Espresso

Koronakuchen an Karfreitag

„Die Leute trauen sich nicht mehr zu essen“, schimpft Frau Nachbarin von Gegenüber, als sie von der Frühschicht im Cafe nach Hause kommt. „Alles tote Hose. Keiner will Koronakuchen an Karfreitag.“ Dann lacht sie und holt eine Türe mit übrig gebliebenen Backwaren für die Familie aus dem Auto. Ein einsamer Mann schaut Nachrichten auf dem Smartphone und dreht sich von ihr weg, als sie die Haustüre aufschließt. Dann läßt er

Sandkasten

Das Ordungsamt patroulliert zu dritt und ermahnt die Betreiber zweier nachbarlicher Cafes, auch des Nachts keine Gäste zu empfangen. Was sie nicht tun. Irgendwo draussen war in der Nacht eine Tuschelparty und jemand hat es gemeldet. Hier haben einige Männer Angst, wenn sie alleine sind. Sie stehen, wo sie immer stehen, diesmal eher hilflos, weil so wenige, nicken einander auf Abstand zu oder rufen sich ein „Alles klar?“ über die

schwarze Hand

Auf Twitter wird behauptet, Menden richte schon Sporthallen ein zur eventuellen Zwangsinternierung von uneinsichtigen, infizierten Menschen. Wundern würde es mich nicht, aber ich möchte daran erinnern, dass noch Wochen nach dem Terrorfehlalarm in einer Berufsschule die Mär von Särgen in Turnhallen die Runde machte. Da passt es gut, dass einer der Stammgäste des nachbarlichen Cafes: „Ah, komm ich nur vorbei, um Freunde zu treffen. Wir stehen auseinander und quatschen“, letztendlich

Klong

Aus dem Gleichgewicht. Der Planet ist aus dem Gleichgewicht. Die Menschheit ist aus dem Gleichgewicht. Die Schieflage bringt alles ins Rutschen. Deutsche Nazis reisen nach Griechenland, Geflüchtete aus Syrien abzuschießen. Corona spült den Sozialdarwinismus hoch und läßt Menschen Worte sagen, dass Alten und Kranken Angst und Bange wird. Keine Solidarität mit den Schwachen. Da ist soviel Nährboden für widerliche Auswüchse, da hilft auch keine Seife oder Sterilium. Sicherheit ist eine

Lügenlandlieder

Das ist schon morgen. Und ich feile noch an einem Lied, dessen Text erst vorgestern fertig geworden ist. So gehört sich das. Kommt morgen rein in die Galerie der Freiraumgestalter, in Mendens Innenstadt. Um 19.00 Uhr geht es los.

kleine Wunder

Es ist die Schlange vor dem Postschalter, die dich in die Knie zwingt. Von hinten drängelt es, vorne bremst es, es riecht ganz schrecklich nach feuchter Kleidung und Parfum. -Diskretion. Bitte hier warten.- „Ich hab heute einen anderen Platz im Bus genommen. Das war mir Aufregung genug.“ „Vor lauter Aufregung hab ich, als ich in mein Croissant gebissen hab, die Fingerkuppe meines Zeigefingers erwischt. Roter Blätterteig. Ich sag dir. Man