same as ever

Ich bin noch nicht wach. Eine Frau in weißer Hose und türkisem(?) T-Shirt geht vorbei, und als erstes denke ich an PhysiotherapeutInnen, Ärztin, MTA. Es dauert lange, bis mein, noch schlafendes, Hirn die Tasche an ihrer Hüfte als Klammerbeutel für Haarklammern identifiziert, sie selbst als Friseurin aus dem Billighaarshop, als der eingedeutschte Royalisten-Pegidiot den Laden betritt und seiner Umgebung auf die Nerven geht. Er hält fast jedem Menschen sein Smartphone

Inhalt

Die Rekonvalszenz meiner Körpermitte schreitet voran. Es ziept, und eigentlich tu ich nur so, als ob ich grad schreibe, da jemand in der Nähe ist, mit der ich nicht reden will und die hoffentlich genug Erziehung hat, jemanden, der tief konzentriert ist, nicht zu stören. Ich spüre ihre Blicke, ihre Versuche, Kontakt aufzunehmen und verstärke die Energie auf die Schutzschirme, denn jetzt steht sie vor dem Fenster, schaut mich direkt

Zone, immer wieder Zone

Gut, dass diese Stadt so hinter dem Mond lebt. Da passen junge, forsche Polizisten gut ins Bild. „Steigen Sie von ihrem Fahrrad ab.“ „Lieferverkehr frei, steht da, bis elf, steht da. Ich hab was abgeholt. Es ist halb.“ „Steigen Sie ab!“ „Also mit Auto ist ok, mit Fahrrad nicht? Finden Sie das nicht auch diskriminierend?“ Und ich schau in seine blauen Augen, in denen Verständnislosigkeit herrscht. Diskriminierung kennt er nur

Auf den Mond

Lasst uns einen Ort bauen namens Arschlochhausen. Da kommen alle hin, die uns den Tag vergrausen. Da kommen alle hin, die lügen und betrügen und denken, dass sie wichtig sind über andre zu verfügen. Arschlochfrei! Sei auch dabei! Ein Arschloch braucht man nicht. Wer Arschloch ist kommt auf den Mond, wo der Mann im Mond schon wohnt. Das ist des Arschlochs Pflicht. Warum man gern ein Arschloch ist, will sich

Juli Nabelzahn

Es wird das erste mal sein, dass ich im Krankenhaus liege. Ich werde aufgeschnitten, damit ein Loch, ein Spalt in mir geschlossen werden kann. Mit Fünf knackte es in der Mitte, aber ich hab mich damals nicht getraut, etwas zu sagen. Warum nur? Meine Eltern hatten mich in den Turnverein geschickt, was mir gefiel. Bewegung und Jungen und Mädchen in einer kleinen Halle. Vielleicht wollte ich das nicht auf´s Spiel

zone again

Mendens Fußgängerzone hat einen Verkehrsdurchfluss wie eine Autobahnraststätte in den Schulferien. Der Bratwurstmann geht von Auto zu Auto,versucht seine Würste im Brötchen durch´s Autofenster zu verkaufen, der alte Mann des Musikgeschäftes wedelt mit ausrangierten Plakaten die dicke Stinkeluft vor seinem Laden auseinander, und auch sonst wird das neue Pflaster gut angenommen von P-und LKW´s. Ein Vorschlag an das Bauamt der Stadt Menden. Macht die Innenstadt von Battenfeld bis Schmöle zu,

Doc

Wartezimmergeplapper, Smartphonetippgeräusche, piepende, rückwärtsfahrende Müllwagen. „Sie waren länger nicht mehr hier. Unterschreiben Sie hier, dass wir Ihre Daten weiterreichen dürfen.“ Ein Vertreter mit schnarrender Stimme und Medikamentenkoffer rollt durch die Praxis. Arzthelferinnen in Mint und weiß, es sind eindeutig mehr als früher, rufen sich Namen und Befunde ihres Klientels zu, ein Handy klingelt einsam in der Garderobe, eine Russin hält die Hand vor dem Mund und telefoniert laut. Als wenn

Männer

Männer sind Arschlöcher, wenn sie sich nach Frauen im Business-Outfit mit Trolley umdrehen, fettig grinsen und mal eben ihre Hoden schaukeln. Als ob ihr kleines Pimmelchen alles entschuldigen würde. Krieg, Folter, Gewalt, Vergewaltigung, phallische Raketen, dicke Autos, Ungleichbehandlung, schimpft mich Verräter am eigenen Geschlecht – es werden eh nur die Männer schimpfen- aber sie haben die Verantwortung an sich gerissen, dann bekommen sie auch die Schuldzuweisung. Ob Krankenkassen zahlen, wenn

Becher

Jeden Morgen. Jeden Morgen kommt sie in die Bäckerei und kauft sich Latte-Macchiato-to go. Sie benutzt keinen Thermosbecher. Wie lang sehe ich sie jetzt diesen Weg gehen? Zwanzig, dreißig Jahre? So in etwa. Als Erstes spitzt sie immer ihre tantenrosafarbenen Lippen und zutscht dann an dem weißen Plastikdeckel. Vielleicht eine Form der Werbung. Ihr Job ist es, Menschen kosmetisch zu verschönern, aufzuhübschen. Ihre sichtbare Lederhaut und die pastelligen Lippen beschreiben

Haltung

Der Tag beginnt mit Fast-Santana. Fast wie beinahe. Beinahe Santana, aber eben nur fast. Es ist ein Produkt aus der Klonwerkstatt der Gema-Freien. Eine Nachbarin beschwert sich über das (O-Ton) Gesocks vor ihrer Haustüre, seit die Gesockskneipe renoviert wird. Die Gaststättenräume, die sie vermietet, werden natürlich von diesem Gesocks gemieden. Für gewöhnlich. Aber diese Renovierung bringt bestehende Regeln durcheinander. Fakt ist, dass die Anzahl der Kippen auf unserer Straßenseite sich