Streik

Am Bahnhof sagt der Automat, dass er einfache Fahrt (und ich hab ihn noch nicht einmal nach dem Fahrrad gefragt) nicht kann, und ich eine neue Route auswählen soll. Nach Unna. Der Person nach mir, die auch eine Karte lösen will, geschieht das Gleiche. Der Zugfüher merkt an, dass ein Schaffner im Zug sei und wir dort buchen könnten. 8,90 € kostet eine Fahrt mit Fahrrad. 9,30 € das Tagesticket,

Schade

Alle frommen Wünsche nützen nicht. Zwei Minuten unter Menschen, und ihr Alltagsgeplapper zerrt heftig an meinen Geduldsfäden. Ich kann den Nachbarn von gegenüber mit seiner Sozialphobie sehr gut verstehen. Er verlässt schon seit Jahren die Wohnung nicht mehr und wird von einem straßenheimischen Griechen versorgt. Gerüchten nach war in den Sechzigern Stephen King in Menden und ließ sich von der hiesigen Bevölkerung zu gestorbenen Figuren vom Friedhof der Kuscheltiere inspirieren.

Der Wahsinn lacht

Der Wahnsinn lacht aus voller Kehle. Der Mensch eins null ist auch zu putzig. Den eigenen Hals, den wäscht er täglich, den Rest der Welt, den macht er schmutzig. Er beutet aus, was schwächer ist. Wertschätzung ist ihm fremd Der Wahnsinn quiekt vergnüglich. Der Mensch hat seine Evolution verpennt. Ist das nicht betrüblich? Er hat´s mal grad vom Baum geschafft. Aufrecht sein ist schwierig. Das Rückgrat ist doch eher weich

Keramiklächeln

Hoffentlich. Die letzten zwei Seiten meines Notizbuches sind noch unbeschrieben. Hoffentlich das letzte Mal, dass ich es in einer Zahnarztpraxis öffnen muss. Mag nicht mehr von Männern mit dicken Fingern in den Mund gefasst werden. Zumindest nicht die nächsten Jahre und nicht mit Harry Potter oder IceAge unter der Decke. Die Wartezimmerwerbung spricht von jugendlichem Lächeln mit Keramikverblendungen. Wieso habe ich mich nicht dafür entschieden. Der Keramiklächler mit der Concertina.

Prinzip

„Ich steh ja schon um 6.00 Uhr auf. Da bin ich wach. Da räum ich wacker auf. Muß immer alles aufgeräumt sein. Falls was passiert. Mein Mann, der ist ja einfach in der Küche vom Stuhl gefallen und lag dann da. Da konnten die Sanitäter, auch wenn es nichts mehr gebracht hat, Spritzen und Scheren, das ganze Lebensrettungsgedöns, überall hinstellen. War alles frei. Küche, Bad und Wohnzimmer. Das muß alles

Unvermeidlich

Das Leben fließt. Ein Fahrradfahrer klingelt, und das Auto hält an. Einfach so. Das ist ja nicht mehr selbstverständlich. Heutzutage. Die Kirchenglocken läuten, und ich überlege, wie viele Tonnen Rohmaterial aus allen Glocken Deutschlands gewonnen werden könnten. Einfach so. Das ist doch nachvollziehbar. Heutzutage. Die Sirenen heulen. Wir schauen zu, wenn Weltenwälder brennen. Sind fasziniert vom Untergang und denken: Was geht uns das, hust, an. Das muß doch jeder einsehen.

Schläge

„Geht Ihre auch ohne Leine? Also meiner ja zu 90%. Und wenn der nicht spurt, dann aber…“ Dabei grient er verschmitzt und wirkt, als hätte er jeden einzelnen Schlag genossen. Manchmal sehe ich seinen Vater mit dem Hund im Wald. Es ist ein elendes Gezerre und Geschimpfe, und ich frage mich jedes mal, wo der Hund die Geduld her nimmt, der Begleitperson nicht die Kehle zu zerfleischen. Ich frage mich

Wetten

Die Wettbüros haben ein Endziel. Die Wetten auf den klimatischen Weltuntergang. Haben wir 2025 überhaupt noch atembare Luft? Die Quote für 2030 ist wie? Kanada eisfrei hatte eine miese Quote. Das glaubt einem doch keiner. Als würde man* sagen,das Sauerland hätte keine Schützenvereine mehr. Das glaubt einem ja auch keiner. Brasilien baumfrei. Da gibt es greifbare Termine.2021/23/25. Grönland amerikanisch? Da wettet keiner einen feuchten Furz drauf. Bei der Hambacher-Forst-Existenz-Wette wird

krank

Krankfeiern ist auch so ein Wort, dass weg kann. Das Wort bringt das Kranksein in Mißkredit. Man* kann sich krank feiern, keine Frage. Ich war mal auf einer 60-Stunden-Party ohne zu schlafen, danach war ich etwas krank. Aber: „Der/Die ist doch krankfeiern“, nimmt dem krank sein die Glaubwürdigkeit. Natürlich ist es möglich, krank zu sein und trotzdem zu feiern. Das eine hat mit dem anderen wenig zu tun. Ich denke,

Sitz!

Es hat eine gewisse Komik, wenn Frauen im strengen Buisiness-Outfit und kleinem – ich benutze hier mal einen Ausdruck von Herman van Veen – Klitorisschnautzer an der Flexileine in ein Geschäft gehen will und das Hündchen behandelt wie ein Kind. „Hörst du mir zu? Hallo! Hallo Leine an Hund. Sitz!“ Der Hund schert sich nicht darum, schnuppert auf und ab, worauf Frauchen mit dem Fuß auftritt, was bei dem spitzen