Ohrkriecher

„Oh la la. Da kann man ja sagen: ‚Fronkreisch, Fronkreisch.‘ “ haucht etwas in mein Ohr, während ich versuche, meine Gedanken zu sammeln. Ich schrecke zusammen, wende meinen Kopf und blicke auf herausschauende, graue Nasenhaare, grobe Poren und alte Aknekrater unter rotgeschabter Haut. Was ist das für eine Angewohnheit, vage bekannten Menschen fast ins Ohr zu kriechen? Den Namen des Ansprechers kenne ich nicht. Grüßen tun wir uns seit einem

Streifenfrei

Mittwochs ist Putztag in Mendens Innenstadt. „Gin dobre“, sagt die Spielhallenaufsicht zu ihrer Kollegin und prüft mit kritischem Blick den linkshändigen Flitschenschwung des Fensterreinigers. Die Kollegin kommt mit zwei Kaffee zurück. Dann stehen beide im Türrahmen, rauchen und beäugen den Mann im blauen Overall, seinen Eimer, Flitsche, Schwamm und Leder. Ansetzen, abziehen, trocknen, fertig. „Mein Mann ist gestorben. Da komm ich ja kein Brot mehr holen“, tönt eine gutgelaunte Stimme

So!

So. Genug geschwiegen und Gold gesammelt. Mir fehlten seit Neujahr die Worte. Das Kind in mir hat nur noch, Worte zerfetzend, geschrieen. Es fühlte sich vierzig Jahre in die Vergangenheit versetzt. Die Nazis, die Sexisten, die rassistischen Arschlöcher und die Kleinbürger. Das Kind schrie verzweifelt: „Ich weiß, was jetzt kommt“, dabei hatte es zuvor gedacht, dieser ganze Dreck hätte sich längst erledigt. Es ist wie früher, nur, dass die Leute