Lügenlandlieder

Das ist schon morgen. Und ich feile noch an einem Lied, dessen Text erst vorgestern fertig geworden ist. So gehört sich das. Kommt morgen rein in die Galerie der Freiraumgestalter, in Mendens Innenstadt. Um 19.00 Uhr geht es los.

kleine Wunder

Es ist die Schlange vor dem Postschalter, die dich in die Knie zwingt. Von hinten drängelt es, vorne bremst es, es riecht ganz schrecklich nach feuchter Kleidung und Parfum. -Diskretion. Bitte hier warten.- „Ich hab heute einen anderen Platz im Bus genommen. Das war mir Aufregung genug.“ „Vor lauter Aufregung hab ich, als ich in mein Croissant gebissen hab, die Fingerkuppe meines Zeigefingers erwischt. Roter Blätterteig. Ich sag dir. Man

Nochmal Wut

Schluss Kopf, sage ich. Schluss Kopf. Alles schreit in mir. Was tun gegen den Dreck, der uns hier grad m die Ohren fliegt. Nazidreck, eine Regierung, der es nichts ausmacht, sich im Faschismus zu verlaufen, Großunternehmen, die die Lebensgrundlage aller zerstören, die vielen Leichen am Grund des Mittelmeeres, die dem Großteil von Europa am Arsch vorbeigehen, die Verrohung von Geist und Sprache, mit menschenverachtender Gewalt und Brutalität im Schlepp –

Glück

Das Glück ist bei mir eingezogen, kommt aus China und ist schwarz. Kalimba, Concertina und das schwarze Glück sind die drei Instrumente des neuen Programms „Lügenlandlieder“. Da singe ich dann so Sachen wie: Geh in Deckung wenn mal wieder wer mit Gott kommt. Tauche ab, wenn irgendwer von Engeln spricht. Sei es Jahwe, Shiva, Buddha oder Mohammed.. Jesus liebt dich nicht, Jesus liebt dich nicht. Und die Bibel ist Fiction.

Dumdidum

Dumdidum, ein Bulli fährt vorbei. Von ganz weit aus der Ferne leises Huup. Es piept an diesem Nachmittag im Abstand von Sekunden durch Autoschließe, Geldzählwerk der Tabakautomatenauffüller und Mikrowelle von der Hähnchenbraterei. Es piept, und fast mit Hall. Der Schall trägt heute weiter als normal. Die warme Herbstluft schafft neue Räume. Akustisch, optisch, als hätte das Areal mehr Substanz. Ohne auf Menschen zurückgreifen zu müssen. Da ist ein Gefühl von

Notizen

Notiz an mich Geh nicht zu früh aus dem Haus. Morgens um neun ist die Luft dick von Deo, Parfüm, Seife, Lotion, Creme, Shampoo, Hauptsache man* riecht sich selber nicht. Zweite Notiz Dick van Deo ist ein Name, den ich bestimmt noch benutzen werde. Dritte Notiz Ich mache mich nicht beliebt, wenn Menschen an der Theke plappern und ich „Dummes Gesülze“ laut vor mich hersinge. Vierte Notiz Ich denke arbeitgeberfreundlich,

tote Blumen

Kleine, brennende Augen, die dem Licht nichts entgegenzusetzen wissen und bei Belastung gerne mal den Fokus verlieren, „Hach“, seufzt sie, „wär doch schön, wie ein Tier zu leben. Wie ’ne Kuh, zum Beispiel.“ Ich schau sie groß an. So groß, wie es mit den brennenden Augen geht. „Nichts mehr mit sich rumtragen. Versorgt werden.“ Sie ist betagt. In ihrer Erinnerung springen Kühe noch fröhlich über die Wiese. „Heutzutage“, frage ich.

Wut

Manchmal weiß ich nicht wohin mit meiner Wut. Das ist nicht gut. Es ist nur Wut auf Menschen, und auch nicht immer gleich. Doch haben Menschen leider oft die Birne weich. Das, was man den menschlichen Faktor nennt, zerstört den Mensch auf Dauer. Hier bin ich Mensch, hier darf ich sein, das macht mich richtig sauer. Sein Sein kennt nur noch Dominanz und Übergriffigkeit. Und wenn er groß kaputtgemacht, sagen

brzzldefibri

Was für eine Kausalität, wenn ein Postbote sich die Finger in der Autotür einklemmt, und ich deswegen meine Liebste in einen Dämon verwandeln muss. Das ist Leben in der Kleinstadt. Es gibt auch einen Zusammenhang zwischen dem eklig gestylten Bluthochdrucktischnachbarn und meiner, mich schüttelnden Abscheu gegenüber den freiheitlich, liberalen Schwingungen, die er ausstrahlt. Gekauftes, pafümiertes Testosteron, das ihn bei Tempolimits stark empört. Dann fuchtelt er wild mit den Armen und

Kleingeist

Die Kunst des Kleingeists ist in diesem Land derzeit sehr groß. Da machen mittelalte „Kommödianten“ mit kleingeistger Sicht auf die nächsten vierzehn Tage schlechte Witze über junge Menschen die sich faktensicher sorgen um ihre Zukunft. Da wünschen geifernd und ätzend in einer virtuellen Schmierlappgarage Hubraumonanisten in der Sprache schlechter deutscher Pornofilme einem jungen Mädchen den Tod an den Hals Und wo ich grad bei Pornosprache bin Wenn selbst Gerichte diesen