grundlos gute Laune Tag

Soso. Grundlos gute Laune Tag ist heute. Das Wetter stimmt. Es ist grundlos blauer Himmel. Helios, der Strahlemann scheint, als hätte er nichts Besseres zu tun. Also dann. In Filiale 43 sitzt ein Anzugfredi auf dem narrenplatz. Vor ihm steht ein IPad – Klon aufrecht wie ein Bilderrahmen mit Muttis Foto, auf das er ununterbrochen starrt. Ab und an tippt er mit einem Finger gegen die Plastikoberfläche. Bei aller grundlos

Klasse

Die Verkäuferinnen von Filiale 43 begrüßen jeden Kunden mit dessen Einkaufswunsch, noch bevor dieser ihn ausgesprochen hat. Ihre Trefferquote liegt mittlerweile bei 98%. Eine junge Leichtmatrosin der hiesigen Polizei will Körnerbrötchen mit Möhre und riecht wie das Puder alter Damen. Vielleicht hat der narr aber auch Geruchshalluzinozen durch Schlafentzug. Gerade trägt eine Frau Leberwurst Nr. 5 Der Himmel schwer, die Augen auch. Heut fehlt ein Stück zum Glück. Genaugenommen fehlt

Vom Regen in die Traufe,vom Grill in´s Feuer,vom Knast in die Klapse,die Welt ist gerade schieflastig. Bei der Fremdbetreuung wartet eine Überraschung auf den narren.Oma ist da und hat einen Spiralbruch am Finger. Sonst ist die Tochter alleine, wenn die Eltern feiern gehen.Heut ist Osterschießen.Da darf der narr die brüchige Oma und die schwerstmehrfach behinderte Tochter betreuen. Ob er wohl für Beide abrechnen kann? Life is a cabaret. Die Nacht

kasachisch

Der narr ist sehr zufrieden mit seinen Reaktionen. Er war ruhig, gefaßt, sachlich und informativ, obwohl sein Exhalbbruder am anderen Ende einer Telefonverbindung redete. Haspelte, stotterte, nach Worten rang und suchte, je mehr das Ausmass seines Nichtkümmerns bewußt wurde. Diese Sippe hat ein echtes Problem mit sozialer Familienkompetenz, sobald ein Mitglied nicht den gehobenen Standard intellektuellen Geplappers fähig ist. Aber gerade sitzt dem narren Pornolilly gegenüber, und bei ihren lauten

Keule

Ist es das Gruselkabinett der Absonderlichkeiten oder einfach nur eine Menschenschlange vor einer Brötchentheke. Der Horror liegt immer im Auge des Betrachters. Ecce homo. “Ein Krautsalatbrötchen bitte.” So leben wir, so leben wir, so leben wir alle Tage, singt ein Pensionär. So recht. Unsere moralische Evolution ist in der Steinzeit steckengeblieben. Nullstein und Einstein beherrschen heute unser Sein. Wir keulen mit spam. Es ist so frustierend. In einer Sekunde erscheint

Italienisch

Ein Sakrileg. Sonntag morgen elf Uhr. Der narr benötigt Inspiration. Und Koffein zusammen mit Nikotin. Und Menschen, die ihn inspirieren. Nicht lange überlegen, gegenüber ist Mandrake, das italienische Cafe. Der Inhaber trägt sein Haupthaar offen über der Schulter, ein Schneidezahn ist seit der letzten Diskussion irgendwo anders als in der oberen Zahnreihe, das dichte Brusthaar schaut wie ein Pelz aus dem T-shirt. An einem Tisch sitzen durchaus bekannte Gesichter. Menschen,

wehwehwehchen

Wie war das noch mal? Als die Einwohner des europäischen Kontinentes fragten, wieso die Japaner bei all dem Unglück so ruhig und gefaßt geblieben waren, lautete die Erklärung, das sei so Tradition, sein Gegenüber nicht mit dem eigenen Leid zu belästigen. Eine beeindruckende Tradition. Betrachte ich mein Umfeld, mich selber, so springt das fremde Leid mich an, während meines das Umfeld anspringt. Das nervt zuweilen. Vor allem die Erkenntnis, wie

nix anners machen

Der Kaffee läßt heut lange auf sich warten, wie soll ich bloß in meinen Morgen starten? Ich brauch dies, ich brauche das, sonst komm ich niemals in die Pötte. wenn diese Rituale nicht exakt sind, dann kötte ich mich mit jedem Menschen. Und seid gewiß, das ist kein ‘Spass. Das Ei wachsweich, die Erdbeermarmelade ohne Wespen, und Brötchen, warm, mit Dinkel. – Kaffee kommt gleich! – Was? Beim Frühstück Neues

Ach wie traurig

Zum Frühstück einen Chemiecoctail von Chaqwa. Der nennt sich Cappucino und ist so weit vom Originalgetränk der Kappuziner entfernt wie die Erde vom Mars. Ach wie traurig ist Fröndenberg. Im Lidl gibt es Filiale 58, doch die Verkäuferinnen wissen nicht um die dreistufige Kaffeeverstärkereinstellung ihrer Maschine. Ach wie traurig ist Fröndenberg. Die Einwohner sehen aus wie Menschen, doch spricht man sie an, kommt nur: datscha oder dutscha oder schnefzelklep aus

Smart

Der polnische Samstagsbratwurstmann gegenüber der Filiale 43 ist ein Ferkel. Die Cefin erzählt von der oberen, feuchten Stiege mit Rohlingen, der Samstagsbratwurstmann mustert sie anzüglich: „unten auch feucht?“ Die Husteröchelfrau hat Ausgang von ihrem Sauerstoffzelt, steht vor der Filiale und raucht Kette. Der lutheranische Pastor bückt sich, und aus seiner Hemdtasche fallen viele Medikamente. Ja, die Wege seines Herrn sind wunderbar. Ein Smart fährt vorbei, an seinen Seitenfenstern der Schriftzug