Nachtrag zum gestrigen Eintrag

Auch diese Nacht war es bibberkalt. Es spielte bis 24.00 Uhr eine andere Combo als gestern die gleichen Lieder, manche etwas besser. Die Toilette war wieder abgeschlossen. Um 1.00 Uhr gab es eine böse Schlägerei unter besoffenen Kids, weil der Eine den Anderen Hurensohn genannt hatte. Um 2.00 Uhr sprach wer, um junge Mädels zu beeindrucken: Schaut her. Ich bin Moses und kann über Wasser gehen. Dabei versuchte er, über

Sicherheitsdienst

One night in Bangkok, spielt es in meinem Kopf. Dabei sind es zwei Nächte. Nicht in Bangkok, sondern in Lendringsen. Nachtwache auf dem Lendringsner Frühling. Als wenn es nicht genug Absurditäten in meinem Leben geben würde. Die Cover-band spielt Nirvana. Ich bin überzeugt, Kurt Cobain würde selbst jetzt, im skelettierten Zustand, besser singen. Die Bunken feiern Uftata. Es ist das Highlight des Jahres, neben Schützenfest und Beerdigung. Die jugendlichen Vorortschönheiten

wie schön

Wie schön. Morgens geh ich mit der Liebsten aus dem Haus, beim Rausbugsieren des Autos kommt Stavros von nebenan und grüßt uns. „Kann sein, dass gleich ein Paket für mich kommt.“ „Nehm ich schon. Kein Problem.“ Die Liebste zur Arbeit gebracht und nach Arnsberg gefahren, weil dort die angehenden Altenpflegerinnen die kleine Premiere ihres noch kleineren Stücke aufführen. Der Auftritt von vor drei Tagen war eher eine Generalprobe unter erschwerten

schwurbel

Fragt man danach, wer Nutzen von der ganzen verschwurbelten Situation mit der Ukraine und Russland hat, und hört man dann dem EU-Energiekomissar Oettinger zu, kommt das Lügenland auch auf die Alternative, dass die Fracking-Industrie im Hintergrund die Fäden zieht.  Kein Gas aus Russland, also Gas aus Schiefer.

Schlamperich

Der alte Kater ist mir näher, als man glaubt. Kaum sieht er eine warme Dreckecke, rollt er sich dort zusammen und schläft genüßlich den Schlaf der Unbekümmerten. Das kann ich auch. Ich bin das Ying im Yang der staatlich verordneten Hygiene. „Du bist nur zu faul zum Putzen“, sagt die Liebste. Oh ja. Ich bin ein Schlamperich vom Feinsten. Ich putze. Ja. Nur nicht so häufig und so steril, wie

Blick zurück beim Betreten einer Bank

In der Mendener Volksbank riecht es wie vor der ehemaligen Krankenhausküche in Wimbern. Ganz früher roch es so ähnlich, häufig ekliger, vor dem Vincenz-Altenheim. als es noch ein Kinderheim war. Es gibt viele Erinnerungen an das ehemalige Krankenhaus in Wimbern. Als ich das zweite Mal dort geboren worden war, lag meine Oma, laut Aussage der Ärzte, im Sterben. „Vielleicht noch eine Woche.“ Gestorben ist sie achtzehn Jahre später. Bei meiner

ungehört

Den letzten Tagen fehlt die Deckungsgleichheit. Meine haptische, optische, akustische und olfaktorische Vorstellung von der Welt stimmt mit dem derzeitigen Angebot nicht überein. Alles ist eine Spur daneben. Vielleicht bin ich auch neben der Spur. Ein Geruch in der Umgebung, irgendetwas Strenges, zwischen Rasierwasser und frischer Plastikfolie, der eine Erinnerung auslöst, an die ich mich nicht erinnern kann. Das Wissen ist da, aber ich kann es nicht greifen. Aber ich

Dankbarkeit

Manchmal bin ich so weit entfernt von Gut und Böse, und dann wieder bin ich mittendrin. „Schau nach vorne“, möchte ich allen Fahrradkindern, die sich nach ihrem Kumpel umsehen, zurufen. Aber es macht auch Spaß zuzusehen, wie sie gegen einen Pömpel donnern. „Unser Gehirn arbeitet manchmal komisch“, antworte ich auf die Frage einer Verkäuferin, ob ich einen Besen für schlechte Gedanken hätte. „Da sagen Sie was“, ruft die andere Verkäuferin

Frühsport

Aua. Ächz. Knack. Wirbelknirsch. Wieso hab ich meinem Autisten versprochen, heute Mittag mit ihm Laufen zu gehen? Mir steckt noch das Fensterputzen – rauf auf die Fensterbank, runter von der Fensterbank und alles ohne Leiter bei gefühlten 1345 Fenstern – in den Knochen. Die Sonne ruft Juhuu, der Rücken knirscht krrkru, die Beine schlapp wie alte Luftballons, der Magen noch geweitet von der Geburtstagsvöllerei mit meiner Liebsten, und es war