Bürgermeister

Demnächst ist BürgermeisterInnenwahl. Die Wirtschaftsblase hat zur Vorstellung eingladen. Da Covid19 bekanntermaßen unter Zeltdächern nicht existiert, werden 300 Karten verkauft und Stühle gestellt. Einige Stühle bekommen ein Gesperrt-Schild auf die Sitzfläche gepappt. Die 45cm Sitzfläche muss als Abstandshalter reichen. Die Reihen an sich, haben den, männlich gemessenen und vom Gesundheitsamt abgenommenen Sicherheitsabstand. Wer Bratwurst will, muss Tage vorher ein Formular ausfüllen und einreichen. Die Bäcker-Oligarchenfamilie belegt zwei Reihen, und auch

open

Das Büro hat wieder geöffnet. Wahnsinn ist das neue Normal und auch sonst wird unsere Selbstgefälligkeit uns noch tüchtig beuteln. Wir haben alles im Griff, alles unter Kontrolle, dozieren KommunalpolitikerInnen, sind aber nicht bereit, auch nur einen Menschen aus den griechischen Lagern zu retten. Schande über die Stadt, Schande über die RatsmitgliederInnen. Die Welt geht ihnen am Arsch vorbei. Hauptsache, Menden hat ein schönes Fußgängerzonenpflaster. Meine Straße wird von den

Schade

Alle frommen Wünsche nützen nicht. Zwei Minuten unter Menschen, und ihr Alltagsgeplapper zerrt heftig an meinen Geduldsfäden. Ich kann den Nachbarn von gegenüber mit seiner Sozialphobie sehr gut verstehen. Er verlässt schon seit Jahren die Wohnung nicht mehr und wird von einem straßenheimischen Griechen versorgt. Gerüchten nach war in den Sechzigern Stephen King in Menden und ließ sich von der hiesigen Bevölkerung zu gestorbenen Figuren vom Friedhof der Kuscheltiere inspirieren.

städtische Savanne

Die Gewohnheitstiere wirken verwirrt. Ortswechsel sind in ihrem Programm nicht vorgesehen. Leichte Beute für die Jäger. Die kennen die Routen der Gewohnheitstiere und präparieren die Fallen. Tränken gibt es reichlich, je nach Beutelinhalt. Die Oligarchentränken, überall in der städtischen Savanne verteilt, sind für die gesamte Fauna, aber jede hat ihr eigenes Rudel, ihren eigenen Troß an Gewohnheitstieren. Da werden Fremde auch schon mal viehisch angeglotzt, oder mit weicher Schnautze von

Zone, immer wieder Zone

Gut, dass diese Stadt so hinter dem Mond lebt. Da passen junge, forsche Polizisten gut ins Bild. „Steigen Sie von ihrem Fahrrad ab.“ „Lieferverkehr frei, steht da, bis elf, steht da. Ich hab was abgeholt. Es ist halb.“ „Steigen Sie ab!“ „Also mit Auto ist ok, mit Fahrrad nicht? Finden Sie das nicht auch diskriminierend?“ Und ich schau in seine blauen Augen, in denen Verständnislosigkeit herrscht. Diskriminierung kennt er nur

zone again

Mendens Fußgängerzone hat einen Verkehrsdurchfluss wie eine Autobahnraststätte in den Schulferien. Der Bratwurstmann geht von Auto zu Auto,versucht seine Würste im Brötchen durch´s Autofenster zu verkaufen, der alte Mann des Musikgeschäftes wedelt mit ausrangierten Plakaten die dicke Stinkeluft vor seinem Laden auseinander, und auch sonst wird das neue Pflaster gut angenommen von P-und LKW´s. Ein Vorschlag an das Bauamt der Stadt Menden. Macht die Innenstadt von Battenfeld bis Schmöle zu,

Aufruf

Mendener Frühling mit Pestkirmes, die Pfingstkirmes,der Mendener Sommer, Menden a la carte, was bei einigen auch „Fressen für den Frieden“ heißt, Mendener Herbst, Mendener Winter, als gäbe es nicht genug nahrungsmittellastige Veranstaltungen in der Stadt, wird jetzt noch ein Picknick dazwischengeschoben. Das Men-Pick in der Innenstadt, das charmant damit wirbt, in den Geschäften zu stöbern. Ihr Völker der Welt! Schaut auf diese Stadt! Sie geben nicht auf in all diesem

Oberstadt

„Red nicht so laut, herrscht die alte Tochter die noch ältere Mama an. „Red nicht so laut. Hier wohnen lauter böse Leute.“ „Was“, brültt Mama? Mit unpassendem, angeekeltem Entsetzen dreht sich die Tochter um, ob die Bösen näher kommen. „Frohe Ostern“, sage ich freundlich, aber die Tochter hat so viel Schlechtes über die Oberstadt gehört, da zerrt sie lieber erschreckt an Mamas Rollator, dass diese fast stolpert, aber noch freundlich:

common sense

Manchmal reicht das niggelige Geplapper einer R-Rentnerin, um das Wohlfühllevel um drei Punkte sinken zu lassen. Es ist Stöhntag. Die Kälte läßt alle das Gesicht verziehen und seltsam gequälte Geräusche machen. Ein Gefühl, wie in einer Apfelblüte sitzend, die zum Schutz vor Kälte einen Eispanzer aufgesprüht bekommt. Auch, wenn es durchaus ein poetisches Bild abgeben würde, ich in einer gefrorenen Apfelblüte, ist es doch eher utopisch, da ich zum fresekötteln

nich so dolle

Es ist strategisches Zurückweichen, wenn ich eine Tasse Kaffee haben möchte, aber zwei weibliche Vertreterinnen der R-Rentner an der Theke stehen. Wenn zwei von ihnen zusammenglucken, werden ihre Auren toxisch hochtransformiert. Da möchte ich jeglichen auratischen Kontakt vermeiden. So schlimm kann kein Durst sein, dass ich mich an ihrem Gift verätze. Meine Frisur sitzt, Licht und Ton stehen, und langsam bekommt sogar der Text Bedeutung. Uiuiuiui. Da kommt es nicht