Kukuruku, Blut ist im Schuh.

Blutige Füsse hat der narr. Jedesmal, wenn der Stress seinen Höhepunkt erreicht, bekommt der narr blutige Füsse. Er hat deswegen die Theorie, dass das einem inneren Mechanismus folgt, der verhindern soll, dass der narr wegläuft bei Schwierigkeiten. Was eigentlich Blödsinn ist, da die Füsse erst dann blutig sind, wenn fast alles vorbei ist. Sozusagen auf dem Höhepunkt der Aufregung. Jetzt sitzt der narr in Filiale 43 mit Husten, Schnupfen, Augentränen,

AOK

Hallo, hallo. Das Neueste von der Front fortschreitender Demenz. Die AOK schreibt vor, wie teuer ein Medikament sein darf. So auch bei Arricept, einem Mittel zur Verlangsamung des Krankheitsverlaufs. Also bekommt der narr aus der Apotheke das gleiche Mittel, nur, dass es in Spanien hergestellt wird. Durch den Transport nach Deutschland verbilligt sich das Medikament um 10,- Euro. Ein, an sich schon sehr merkwürdiger Vorgang. Es haben durchaus kluge Menschen

da musst du durch

Tage wie diesen möchte man gerne streichen, aber Leben ist kein Skript mit Passagen, die man kürzen kann. Da muss man einfach durch. Schizophren trifft Demenz, was den narren schon beim Hören der Stimmen aus dem Haus treibt. Gut, denkt er sich. Nutz die Zeit, lass deine Augen kontrollieren, irgendwie ist da was. “Ja,” sagt die Optikerin. “Da is was. Oder besser: da ist was nicht mehr. Über 40% der

Rumtönen

Der Ekelpabst ist ein Ekelpabst ist ein Ekelpabst . Der narr versucht zu ignorieren, dass der Ekelpabst hinter ihm sitzt und rumtönt, das die “Kuh” den Efeu an der Laterne nicht schneiden darf, weil das Stadteigentum ist, Tönt rum, dass vor seinem Laden ständig Hunde in den und an den Baum scheissen, dass der Führer die Kirchensteuer hochgeschraubt hätte und die Holländer betteln müssten. “Früher wär man so nicht auf

Hineinsteigern

Au weiha. Man kann sich wirklich in Sachen hineinsteigern und dann die Übersicht verlieren. Das Ziel ändert sich, es mutiert fast zum Wettbewerb. Vom Wächter zum Wärter. Plötzlich scheint das Ziel: “Gesundwerden” zu sein. Fit sein für die SeniorInnenolympiade. Anstatt froh zu sein, kleine Fortschritte gemacht zu haben, frisst kleiner Ehrgeiz Löcher in das Erreichte. Das hat gut geklappt, dann klappt das nächste auch und das Übernächste und das, was

Unbedacht

Es reicht eine unbedachte Handlung und plötzlich steht der narr zwischen zwei Fronten. Es ist morgens, kurz vor eins. Keine Zigaretten mehr. Stavros hat meistens noch geöffnet und guten Kaffee und Zigaretten, ist aber grad in Griechenland. Die Polin und der alte Marxist vertreten ihn. ( Wenn die Polin da ist, brummt der Laden) Der alte Marxist kommt dem narr entgegen. “…..schlossen. Closed,” sagt er kaum verständlich. “Was suchst?” “Zigaretten.”

In Filiale 43 wird der narr morgens vom “Duft” von 17 Frauen empfangen. Sieben stehen vor der Theke, 10 sitzen, in Grüppchen verstreut, in Sesseln oder auf Stühlen um kleine Tische. Jede von ihnen hat ihr privates Duftwässerchen, kombiniert mit den Körnerbrötchen, die grad im Ofen bruzzeln, ergibt das eine Kombination, die nach der Genfer Konvention von allen kriegsführenden Ländern weltweit geächtet wird. Eine Kundin auf Krücken bestellt sich einen

hoppel

Es zerreisst dem narren das Herz mitzuerleben, wie ein Mensch, der sein Leben lang agil und intelligent eben dieses Leben meisterte, auseinanderbricht. Der Mensch vergisst zu essen und zu trinken, wird körperlich und geistig immer weniger, Erfahrungen haben ihre Bedeutung verloren, Grundsätzliches existiert nicht mehr. Und dann erliegt dieser Mensch auch noch der Erkältungswelle, die über Schranken hinwegfegt wie ein bakterieller Tsunami. Die Ärzte klagen über 30000 noch lebende Opfer,

Kalben

Ist es das richtige Wort? Kalben, wenn neue Aspekte der Persönlichkeit einfach so auftauchen (nichts geschieht einfach so, alter narr) wie ein Eisberg der sich spaltet und neue Berge-Hügel-Huppel produziert. Das ist das Interessante an einer Demenz. Es sind keine Facetten einer Persönlichkeit. Na ja, eigentlich schon. Aber durch die Krankheit wird jede Facette etwas Selbstständiges, dauerhaftes. Was früher Teil der Persönlichkeit war, wird eigen, bekommt eigenen Rahmen, eigene Stimme,

Seniorenphon

Was für ein Segen doch dieses Seniorenphon ist. Sehr sensibel reagiert es erst auf lautere Geräusche. So wird das Husten der überwachten Seniorin zur nächtlichen Hintergrundmusik unruhigen Schlafes. Und dann geschieht es. Eines Nachts bleibt das Husten aus. Ist doch ein gutes Zeichen, denke ich anfangs. Kein Husten, auf dem Weg der Besserung. Doch die Stille hält an. Und mitten im Dämmerschlaf durchzuckt es mich. Ist sie gestorben? Blödsinn. Doch,