Einkaufen

Wie das Sams mit Hund und Rucksack zuckelt sie über die Straßen und versucht, ihrem übergewichtigen Haustier Manieren beizubringen, aber das frißt jedes gebrauchte Taschentuch, jedes Kondom und jeden Haufen unter seiner Nase. Heute könnte ein Tag für Werwölfe und Vampire werden. Das permanente Zwielicht mit hundertprozentiger Luftfeuchtigkeit macht allerdings das Blut wässrig und die Haut, so  man sich nackig draußen aufhält, geschmeidig knitterfrei. (von den Goosepickles mal abgesehen) Ein

Da war was im Kaffee

„Lassen wir es doch zu einem Tag der gepflegten Halluzinozen und Trugbilder werden. Etwas Besseres als die Realität finden wir überall,“ sagte der Chefredakteur zu seinem JournalistInnenteam. „Wir sind doch keine Märchentanten,“ empörte sich die Sprecherin des Teams. „Wir haben doch nicht Wahrheit studiert, um uns so etwas sagen lassen zu müssen.“ Vor dem großen Bogenfenster, holzrestauriert, eingeölt und dreifachverglast, flog ein Toaster vorbei. Anstatt Wölkchen spuckte er auf seinem

wham

    Da grad der Karneval beginnt, ein kurzes Wort zu Religionen. Die mich kennen wissen, dass ich ein götterloses Wesen bin. Das bedeutet nicht, dass ich die Menschen, die an irgendeine Göttin, irgendeinen Gott, GöttInnengruppen oder sonstwelche, angeblich höhergestellte machtvolle Einheiten glauben, von vorn herein ablehne. Natürlich nicht, das wäre dumm, borniert und arrogant. Aber ich wünsche mir einen gesellschaftlichen Zustand, in dem die Kirche tatsächlich vom Staat getrennt wird.

Treffer! Versenkt!

Es ist nicht schön für Herrchen, wenn Frauchen gemeinsam mit ihm und ihrem kurzbeinigen Dackel einen Ringel durch die menschenleere Innenstadt machen will und sie dann trotz Leere eine Freundin trifft und mit ihr redet. Er trippelt, die Hände tief vergraben in den Manteltaschen, auf der Stelle, geht ein paar Schritte vor, wieder zurück, geht bis vor einen überdachten Hauseingang, um sich dort, wo der Hall gut trägt, geräuschvoll zu

Wir Alle

Fünfundsiebzig Jahre ist es her, da rottete sich das Rottvolk von Nazis zusammen und kotzte seinen Hass und Größenwahn über die Welt. Wer sagt, das ginge ihn oder sie nichts an, der irrt. Niemand ist frei von Faschismen. Mir wurden als Jugendlicher noch scheußlichste Witze über Verbrennungsofenopfer erzählt, oder über die Leichtigkeit von Zyklon B. Mein Vater sagte noch „der Itzig“. Er war weltoffen, politisch links und Gewerkschafter, gehörte zur

Eine Fabel ( mit drei verschiedenen Enden)

Sie trafen sich am Strand. Der Hund freute sich sichtlich, zwischen feuchtem und trockenem Sand und Wasser hin- und herpendeln zu können. Die Katze blieb dem Schlamm fern. Sie suchte sich ein warmes Fleckchen Sand direkt unter einer überhängenden Düne. Der Esel stand davor, knabberte erschöpft an dem herabwachsenden Gras und wedelt mit dem Schweif nach Fliegen. Der Hahn trippelte oben auf dem Gras und pickte in dem Sand zwischen

morgens halb vier

Morgens um halb vier bei der Betreuung. Viel nacktes Fleisch im Fernsehn, drei Sender zeigen Softpornos, bei zwei Sendern kann man anrufen und den Mädels sagen, was sie tun sollen. Früher hieß es: „Darf ich dir nicht zeigen rotes Fleisch, Schatzi,“ heute ist das egal. Um Fünf Uhr fünfzehn bin ich live dabei in Kasachstan und schau zu, wie die russische Rakete olympisches Feuer ins All bringt und erfahre dass

Lächeln

Seh ich den Hermes-Boten in der Innenstadt, denk ich an Hippopotamus mit Flügeln. Eine Frau, dem Aussehen nach Roma oder Sinti, kommt mir entgegen, sieht mich, lächelt, legt ihre Hand aufs Herz und grüßt mich. Ich lächle und grüße zurück, auch wenn mir dieses Frau völlig unbekannt erscheint. Wie gut das tut. Normal in dieser Stadt ist das leicht debile, sauerländer Grinsen, während eine Hand auf Bratwurst, Kotlett oder Bierflasche

  Die Uhr der Mendener Vincenzkirche ist eine der genauesten Uhren auf der ganzen, weiten Welt. Seit über einem Jahr tickt sie nicht mehr in ihrem schlechtrenovierten Turm. Beide Zifferblätter zeigen zwei verschiedene Zeiten an. Zwei vor halb Zwei das Eine, kurz vor Drei das Andere. Wir haben alle gelernt, dass kaputte Uhren die genauesten Uhren sind, da sie mindestens einmal am Tag die Zeit hundert Prozent exakt anzeigen. Und

Das Loch (diesmal hoffentlich mit sichtbarem Inhalt)

Also gut. Um es mit Flörys Worten zu sagen: Es wird Zeit, dass ich auch mal in einer Lügenlandgeschichte auftauche. So soll es denn sein. Bevor ich aber zu dem Tag komme, an dem Christian stürmte, und wir im orangenen Pritschenbulli durch Regenfluten paddelten, gibt es eine kurze Vorgeschichte. Vor Jahren, acht oder neun werden es sein, überkam mich im Sommer die Lust, ein Loch im Garten zu graben. Nur