Zwischenmahlzeit

Sie spricht langsam und deutlich zu der Bäckereifachverkäuferin. „Haben wir Wurst?“ Die Verkäuferin schaut freundlich, muß aber erst die andere Kundschaft bedienen. „Und? Haben wir Wurst?“ Fast kommt es mir wie ein Code vor. Schließlich befinden wir uns in einer Bäckerei. Gespannt warte ich auf die Antwort. Gefallen würde mir: Und? Haben wir Wurst? Ja. Aber es ist kein Wetter für fliegende Raumausstatter. Und dann tauschten sie hinter dem Backofen

Vollbremsung

 Es war noch in der Zeit, in der es möglich ist, unter Wasser zu atmen, über verdichtete Luftpömpel durch den Himmel zu hüpfen oder sich unendlich auszudehnen, als ein schepperndes, zuerst kaum wahrnehmbares, dann immer lauter werdendes Geräusch mich von der Ausdehnung zurückriss.Mit verklebten Augen und Stimmbändern nahm ich den Hörer ab. „Hab ich dich geweckt? Weißt du, was man machen muß, um so ein Fahrradschloss aufzukriegen?“ Vollbremsung in, Entschuldigung,

Advent I

Wer sein Leben zwischen Achterbahn, Riesenrad oder Showbühne verbringt, hat vielleicht nicht so den Zugang zu den Sorgen dieser Welt. „Ach Mross,“ tadelt der Hundeflüsterer. “ Du hättest deinen Dackel rechtzeitig sozialisieren müssen.“ Das einem Menschn zu sagen, dessen Sozialisation im Allgemeinen eher unvollständig geblieben scheint, ähnelt fast einer öffentlichen Beleidigung. Klitschko ruft zur Revolution auf. Begleitet und umringt von seinen drei Bodyguards kann sich der Boxer das auch leisten.

Furz

Mit dem spontanen Schreiben ist es wie mit dem Einkaufen. Wer mit Hunger einkauft, hört auf den Magen, auf die primären Bedürfnisse. Wer mit schlechter Laune schreibt, schreibt über die Laune und wie schlecht das Alles doch ist. Gute Laune öffnet Horizonte, schlechte legt Scheuklappen an. Aber bei Erkältungen, massiven Hautirritationen, Gelenkschmerzen, trübem, kaltem Wetter, der SPD, der EU und den allgemeinen, weltweiten politischen Verhältnissen fällt es schwer, den Schalter

Groschengrab

Wohlgemerkt! Alte Damen mit Führerschein machen mir genauso viel Angst wie alte Herren. Die Lichtanlagen der neuen Autos erinnern mich an Spielautomaten. Groschengrab sagte man früher. Das trifft, wenn es auch keine Groschen sind, auf das Auto zu. Der Smart sieht ja schon aus wie eine Spardose. Autos verbrennen Geld, Benzin, manchmal auch Menschen. Es ist das private Kriegswerkzeug der großen Masse Mensch. Eine mobile Ritterrüstung, das mobile Hoheitsgebiet schlechthin.

Energieschub

Nenn ich es doch einfach Energieschub. Noch nicht ganz faßbar und nur halb unter Kontrolle. Da plöppt was auf, spukt herum und verschwindet wieder. Die Folge davon ( Ausrede, sagt die Liebste) ist Aufspringen in der Nacht und Schlafen bis 14.30 Uhr, frühstückslos in die Stadt zu gehen, die Viedeothekenfrau zu treffen und von ihr erzählt bekommen, welcher der schlechteste Zahnarzt der Stadt sei: „Z-Point. Geh da nich hin, wo.

Das Klavier

Die Entscheidung ist gefallen. Doch denke ich, die Konsequenz erst dann zu erfahren, wenn das alte Klangmöbel von starken Menschen die Treppen heruntergetragen wird und das Haus für immer verläßt. Aber schon der Gedanke daran tut gut. Ich verkaufe das Klavier. Vor knapp drei Wochen begann ich, die mittlere Wohnung, also die Wohnung meiner verstorbenen Eltern, leerzuräumen. Ganz früher war das auch meine Wohnung.  Damals, als wir in dieses Haus

Böser Himmel

Der Himmel lügt mir etwas vor. Ich schaue durch ein Fenster,sehe Sonnenstrahlen, güldnes Laub im Garten und das Blaue über der Stadt. Dann geh ich auf die Straße und hab nach zehn Sekunden schon die Kälte satt. Die Feuchtigkeit wär gut, hätt ich ein Wasserdefizit. Wär ich ein Nordseefischer, ständ ich bei diesem Klima fit an allen Netzen. Doch bin ich nur ein sauerländer Freseköttel. Mich schauerts schon ab zehn

Samstagabendarbeit

Der Samstag Abend bei der Betreuung beginnt dieses Mal mit einem Schlüpferwechsel während eines Telefonats mit ihrer Freundin, den Simpsons, Pipi Langstrumpf und Schlag den Raab. Alles zusammen ist besser als „Wetten das“. Raab stapelt Kastanien. „Ha i Kinneraten macht.“ „Das hast du im Kindergarten gemacht?“ „a.“ „Und? Hast du auch zweieinhalb Millionen gewonnen?“ „a.“ „Das glaub ich dir aber nicht.“ „Oo. Erung.“ „Wie bitte?“ „Erung.“ „Werbung?“ „a.“ Kate Perry

Samstagblues (kurz vor der Arbeit)

„Der Junge hat heut ein Butterbrot frei,“ lautet der Spruch eines Vaters, und schon rattert der innere Fragenkatalog. Heißt das, dass er heute ein Butterbrot extra essen darf? Bedeutet es, dass er eine Stulle überspringen darf? Ist heute sein Namenstag, oder hat er sein Zimmer besonders gut aufgeräumt? Die Fragen bleiben offen, da der Vierjährige mi seinem Charme und seinem Lächeln alle um den Finger wickelt. „Ich weiß doch nirgendwo