Neidvolk

Die Frau, die aus der Welt gefallen ist, flaniert im Nerzmantel, Schaffellstiefel, Kosakenhose und roten Fingernägeln durch die Stadt. Unverständliche Blicke, Kopfschütteln, Vogel zeigen von den anderen Frauen, verfolgen sie. Dass sie nicht in diese Welt gehört, bemerken die Wenigsten. Und Solidarität unter Geschlechtsgenossinnen ist nichts genetisch Festgelegtes. Also wird die AusderWeltGefallene böse und neidvoll angestarrt, während sie ihren Nerzmantel wie einen Parka, einen Altkleidermantel und nicht wie ein kostbares

Der Tag fängt ja gut an. Zwei Mütter sitzen dem narren gegenüber. Und am Liebsten möchte der narr in das schüttere, sprayfixierte, graue Haar greifen und beide Köpfe mit einem kräftigen Rumms, wie zwei hartgekochte Eier zusammenschlagen. Eine Mutter ist spitz und stachelig und über und über mit Gold behangen, die andere rundlich und mit einer Stimme, die alle Vorwürfe dieser Welt beinhaltet. ”ihr müsst mich doch liebhaben, ich bin

„Wie viele Menschen mussten für deinen Standard sterben?” Der narr hat einen neuen Text für einen Button zum anpappen. Vielleicht sollte man noch ein flottes “Na?” davorsetzen. “Na? Wieviele Menschen mussten für deinen Standard sterben?” Gerade rennt Katastrophenjunkie Amsler durch die Stadt. Wahrscheinlich überlegt sie, wieviel sie noch aus dem litauischen Volk pressen kann. Quid pro quo. Ich brachte euch den Sperrmüll der Bundesrepublik. Liebt mich wie eure Königin. narr

Münsterporn

Ich versuche, die Geschichte aus dem Kopf zu schreiben. Irgendwo gibt es Notizen dazu, aber ich weiß, dass es mir damals hauptsächlich die Tinte veschlagen hatte. Ich konnte mich nur wundern, damals in Münster. Ich interessiere mich für Sexshops, seit es welche gibt. Meine erste Mitbewohnerin Gabi arbeitete sogar in einem. Das war eine lustige Zeit. Der erste Sexshop in Menden. Wasserstrasse. Das Nebenzimmer, ausgestattet mit hölzernen Klappgartenstühlen, Leinwand und Super8 Projektor. im

Alltag

Kunden sind auch immer mehr so, wie die Fantasie es lieber nicht hätte. Plötzlich steht eine, als Messie-Tante bekannte Frau empört auf, fährt voller Wut eine fegende Verkäuferin an: “Was müssen sie denn gerade hier putzen. Hier, wo ich sitze. Das ist ja zum Kotzen.” Spricht´s, und schreitet jean d árcnesk, grosser Auftritt, heiliger Zorn auf unheilige Bäckereihygiene, aus der Bäckerei, im Schlepptau ihren wackeldackeligen Lebenspartner, ohne zu bezahlen. Souverän

Als der narr heute morgen auf die Fußpflegerin der alten Dame wartete, stand er vor der Haustüre, rauchte und beobachtete den Straßenverkehr. Ein Skoda-Kombi fuhr auf den Bürgersteig, blockierte die Hofeinfahrt und parkte. Ein Mann stieg aus. “Bei ihnen ist eingebrochen worden?” “Nein.” “Dann im Nebenhaus.” Und er ging in Richtung italienischer Nachbarskneipe. “Wollen sie den Wagen da stehen lassen. Das ist eine Einfahrt.” “Wollen sie raus?” “Das ist nicht

Siebter Chorus

“Obwohl das ungeheure Spektakel an Torheit, dem wir hier gegenüberstehen, schrecklich sein mag, ist es stets interessant.”  Marquis de Sade. „Ich habe die Welt angerufen und beschworen: Wie viel von dir gehört den Konzernen und dem Staat? Wenn sie euch mit Steuern euer Geld und mit Kriegen eure Söhne nehmen können, wie unterscheidet ihr euch von der Kuh, die gemolken oder dem Schwein, das gegessen wird? Pflanzt ihr euch für

Bi-Metall

Das Klicken des Bi-Metalls beim Schleudern des Heizlüfters zu hören, eher zu fühlen, ist des narren Meditation vor jeder Dusche. Vor Jahren bemerkte der narr während einer seiner langen Duschsequenzen – der narr ist faul und sitzt beim Duschen auf seinem orangenen Hüpfball, während sehr heisses Wasser in einem völlig überhitztem Kämmerchen über seinen Körper rieselt – dass der Heizlüfter der Hitze nicht gewachsen war und sich, dank Bi-Metall selbständig

Kukuruku, Blut ist im Schuh.

Blutige Füsse hat der narr. Jedesmal, wenn der Stress seinen Höhepunkt erreicht, bekommt der narr blutige Füsse. Er hat deswegen die Theorie, dass das einem inneren Mechanismus folgt, der verhindern soll, dass der narr wegläuft bei Schwierigkeiten. Was eigentlich Blödsinn ist, da die Füsse erst dann blutig sind, wenn fast alles vorbei ist. Sozusagen auf dem Höhepunkt der Aufregung. Jetzt sitzt der narr in Filiale 43 mit Husten, Schnupfen, Augentränen,

AOK

Hallo, hallo. Das Neueste von der Front fortschreitender Demenz. Die AOK schreibt vor, wie teuer ein Medikament sein darf. So auch bei Arricept, einem Mittel zur Verlangsamung des Krankheitsverlaufs. Also bekommt der narr aus der Apotheke das gleiche Mittel, nur, dass es in Spanien hergestellt wird. Durch den Transport nach Deutschland verbilligt sich das Medikament um 10,- Euro. Ein, an sich schon sehr merkwürdiger Vorgang. Es haben durchaus kluge Menschen