irgendwie

„Na ja, irgendwie, ne.“ Das wäre die richtige Antwort auf all die Fragen der letzten Wochen. Irgendwie ist alles grad irgendwie. Irgendwie glauben alle Deutschen grad, Weltmeister zu sein, und irgendwie ist das kein gutes Gefühl. Außerdem ist es grad irgendwie heiß, aber das kriegen wir auch irgendwie in den Griff.   „Ja, normal läuft hier kein Wasser. Aber wir haben irgendwie unsere Deutschlandfahne um den Druckknopf gewickelt. Jetzt läuft

Riestern

Wird Zeit. Raus aus dem Loch heißt auch rein ins Loch. Brummelnde Zickigkeit kann man nicht lange mit Wetterfühligkeit begründen. Ein guter Weg zur Stimmungsänderung (abgesehen von der Nutzung des Loches) ist es, die Treppe zum Loch von Kornblumen, Löwenzahn, Distel und Gras zu befreien. Ablenkung. Die Psyche braucht Ablenkung. Schön war letzten Sonntag ein Konzert in Münster. Der Uni – und Madrigalchor sangen zusammen englische Popsongs aus dem 17ten

Der Clip

  Rot. Heute ist ein Tag des roten Fleisches. „Nein, Schatzi. Darf ich dir nicht zeigen rotes Fleisch.“ Meine ich doch auch nicht. Ich meine rotes, verbranntes Fleisch. Sonnenbrandfleisch, Krebsvorstufefleisch. Kurze Hosen, Röcke und Ärmel haben Saison. Da sitzt das virginale, weiße Fleisch. Oder hängt. „Is ja Sommersonne. Die beißt, weißte?“ Verdutzt bin ich schon, da jeder und jede Entgegenkommende die Hautfarbe eines am Strand eingeschlafenen Briten hat. Das kann

Rubin

„Übe Gelassenheit im Umgang mit Menschen“, ist eine Beschwörungsformel, die man gar nicht oft genug vor sich hersagen kann. Ferien sind bald. Der späte Vormittag ist voll mit Jugend mit fertigem Nachwuchs, fast fertigem Nachwuchs oder ganz ohne Kind. Endlich macht der Sommer seine Arbeit. Ich trage eine weiße Sommerhose. Menschen essen zum Frühstück Eis. Die Rößler-Rentner, heute zahlreich, belasten die Umwelt nicht nur mit ihrem überflüssigen CO2 Ausstoß. Ihre

„Rossini? Ist das nicht diese Baby-Schimmerlos-Klitsche? Der wir den Kir Royal zu verdanken haben?“ Ich sitze, Wunder über Wunder, in Menden vor dem Bahnhofsrestaurant Rossini und trinke Kaffee mit Blick auf den Vincenz. Es riecht intensiv nach geschnittenen Gurken. Das akustische Signal der Kreuzungsampel hört sich auf die Entfernung an wie das Freßgeräusch der Crazy Crabs, eines Taschenvideospiels aus den Neunzigern. Es hat was von Sommer, denke ich und prompt

Blattern

Die Synchronisation der Fußballmassen verbannt mich in die Isolation. Es ist ein unhöfliches und aufdringliches Pack, diese Fußballmasse. Im Kleinen nationalisiert sie ihre Vereinsfarben, im Großen die Staatsfarben. Kein Alltagsgegenstand, der nicht national beschmiert wurde.   Plötzlich ist alles ‚Wir‘. Das ‚Wir‘ zeigt gleiche Symptome wie in einer Menschenfreundschaft, bei der man, kaum dreht man ihr den Rücken zu, ein Messer hineingedrückt bekommt. Die Masse ist entzückt bei Schulterbeißern, Ellbogenrammern,

soziale Interaktion

„Und wir brauchen heute noch etwas soziale Interaktion“, sagte ich zu meiner Liebsten, um wenigstens einen guten Grund für einen kleinen Spaziergang zu benennen. Wenige Menschen in der Innenstadt, aufgestellte Fernseher quäken in Fußballsprache, einige Entgegenkommende tragen gewickelte Tücher gegen den kalten Wind. „Möchtest Du im Strandkorb sitzen oder da“, frage ich die Liebste und nicke in Richtung des einzigen, freien Tisches. „Nicht fragen. Einfach hinsetzen“, erwidert sie, während sich

Rinne!

  Eigentlich wollte ich über die Schönheiten verschiedener Sauerländer Regionen schreiben – eine Tour zur Sorpe über Kloster Oehling – und Enkhausen mit schmalen Straßen und prallem, satten Grün weckt manchmal in mir dieses Bedürfnis – aber als ich am Seniorentreff in Menden vorbeigehe, fehlt da seit den Morgenstunden eine gut gewachsene, gesunde, mittelalte Platane. Gäbe es doch Städteplaner, die gewachsene Strukturen einbezögen. Das aber sieht der Plan nicht vor.

schlimme Jungssache

Gerade der Pubertät entkommen, stehen, hocken oder sitzen sechs angetrunkene, junge Männer bei Bichmanns Blutbuche, den Bollerwagen, mit einer Kiste Bier, Baguette und Käse beladen, am Straßenrand geparkt, und unterhalten sich lautstark über Frauen. Schlitzaugen, Schlupflider, blond, schwarz, blau oder grün, Locken oder glatt, große Brüste, kleine Brüste, Rock, Hose, Brille ja-nein, Stöckelschuhe, Strapse, Korsett, dick, dünn. Ihre Erfahrungen haben sie sich offensichtlich beim Durchblättern von diversen Hochglanzmagazinen geholt. Sie