à la carte

„20 Jahre Fressen für den Frieden“ in Menden geht grad komplett an mir vorbei. Gestern, beim Aufmarsch der Dreckschleudern mit einem H im Nummernschild, gekoppelt mit der Sichtung kulinarischen Gekröses unterm Rathauszelt, verging mir ganz spontan der Spaß am Dasein in der Innenstadt. Zuerst kommt das Fressen. Die Moral geht derweil an der Hönne spazieren und überlegt sich, diese Stadt fürderhin zu meiden. (Ist sicher ´ne Überlegung wert.) Es ist

Muschelkästchen

Versprich nicht, was du nicht halten kannst. Das ist, sozusagen, mein Fluch der letzten Tage. Vor kurzem sprach ich mit meiner Schwester und erwähnte nebenbei, dass ich ihr Muschelkästchen wiedergefunden hätte. „Meine Robinson-Crusoe-Schatzkiste? Aus Caorle? Wie schön.“ „Ich such es dir raus und bring es beim nächsten Mal mit.“ Das war das Versprechen. Seit drei Tagen durchsuche ich das Haus. Putputput, Muschelkästchen, wo steckst du? Neben längst vergessenen, selbstgmachten Sonnenbrillenclips,

Arlette

Hm. Wieso denke ich denn heute an Arlette? Die Frau mit Haar so dick wie Pferdeschweif und ihren Happy-Feets zum Geldverdienen. Ist heut der Hopper-Stopper-Stepperinnen-Day? Körnerkur is so delicious! Zellulitis mag sie nicht. Katze hockt am Rand des Tisches, Kater ist zu Männern nett. Trotz Körperoptimalgewicht maunzt sie ständig: – I´m so fat! – Tanzharter Tigertangahintern, der sich beim Spülen noch bewegt zum Rosagumihandschuhsingen, wo häufig Sauce noch am Teller,

Nicht schön

Der deutschsprachige Griller, egal ob Schweiz, Österreich oder Deutschland, ist ein verfressener Sack. Bestimmt sind andere Nationen ähnlich höhlenhaft, aber sie tauchen nicht in der großen Grillshow des ZDF auf. Wieso haben mir die Eltern nochmal beigebracht, mit Essen nicht zu spielen? Ist im Sudan nicht gerade Hungersnot? Warum nicht eine Live-Schaltung nach Afrika? Die Vorspeise, Fisch im Huhn für eine Person reicht hier für die ganze Familie. Bei Fleischfressern

gerettet

Kinder sollten lernen, dass Strafpredigten für ihre alten Eltern nicht nur sinnlos sind, sondern für ein großes Unverständnis des Alterns im allgemeinen spricht. Ich persönlich glaube ja, nach diesen Knochenfunden unter ander Leuts Särgen und den vergifteten Hunden, dass wieder ein Serientäter in der Stadt lebt. Knochensammler. „Du willst doch nur, dass Frau Jolie kommt und den Fall übernimmt.“ Eine Horde von neun Kindern läßt mich nicht komplett an der

Der Stein, der ein Boot sein wollte

„Das macht man aber schon lange nicht mehr so. Aber wenn Sie es so haben möchten, kein Problem.“ Die blutwarme Schwere des feuchtschwülen Tages, unterbrochen von fröhlich-unbeschwertem, fetten Regen dominiert Entscheidungsfindungen. Kaum hab ich mich entschieden, donnert es. Feuchte Stacheln hat heut die Welt. Die Rüstung ist grad in Reparatur. Melancholie ist ein Stein, der ein Boot sein wollte. Es blitzt und donnert. Die Welt schaut so erschreckt, wie ich

Vitruvius

„Der sitzt und lässt sie draußen rumturnen“, sagt ein dicker, älterer Mann, der eine Frau mit Krücken beim Einsteigen ins Auto beobachtet. „Der is aus Unna“, sagt seine dicke, ältere Frau verächtlich. Ganz klar. Aliens aus der Vitruvius-Sphäre. Das Lügenland ist vor einiger Zeit unvermutet auf einem sauerländer Abrißdachboden Fragmenten eines alten Dokumentes begegnet. Sie hatten sich hinter einem Bilderrahmen versteckt und dienten einer Mausfamilie als Höhlenaußenwand. Noch sind nicht

irgendwie

„Na ja, irgendwie, ne.“ Das wäre die richtige Antwort auf all die Fragen der letzten Wochen. Irgendwie ist alles grad irgendwie. Irgendwie glauben alle Deutschen grad, Weltmeister zu sein, und irgendwie ist das kein gutes Gefühl. Außerdem ist es grad irgendwie heiß, aber das kriegen wir auch irgendwie in den Griff.   „Ja, normal läuft hier kein Wasser. Aber wir haben irgendwie unsere Deutschlandfahne um den Druckknopf gewickelt. Jetzt läuft

Riestern

Wird Zeit. Raus aus dem Loch heißt auch rein ins Loch. Brummelnde Zickigkeit kann man nicht lange mit Wetterfühligkeit begründen. Ein guter Weg zur Stimmungsänderung (abgesehen von der Nutzung des Loches) ist es, die Treppe zum Loch von Kornblumen, Löwenzahn, Distel und Gras zu befreien. Ablenkung. Die Psyche braucht Ablenkung. Schön war letzten Sonntag ein Konzert in Münster. Der Uni – und Madrigalchor sangen zusammen englische Popsongs aus dem 17ten