Anfang Mai

Das fahle, blasse Fleisch öffnet seine Poren und drängt sich in die Sonne. Brüder, zur Freiheit, zur Sonne. Die Schwester macht derweil die Betten und kann uns mit Sonnencreme einreiben. Baby, lass das Glotzen sein. Komme herunter. Reib dich ein mit der Lotion der ewigen Ungleichbehandlung. Heut werden die Knochen gelüftet, das Kreuz gestreckt und die Hormone geschaukelt. Es ist Mai, fallera. Lasst uns Trolle vergiften im Park. Ein Krumen

Koffee verkert (ein Kurzurlaub)

Es ist eine kleine Aufregung. Abends vorher schon. Schön. Ein paar Tage Urlaub im Irgendwo. Die Ungewißheit ist Teil der Aufregung. Wo werde ich die nächste Nacht verbringen? Irgendwo, weit außerhalb von Menden jedenfalls, aber selbst die Himmelsrichtung steht noch nicht fest. Nur ein paar Tage weg. Gib mir Input, Welt. Bestimmt, weil ich, einer romantischen Vorstellung zu Ehren, Menden im dunstigen Mogengrauen verlassen wollte, aber leider verschlief und so

Platitüdenporno

„Es ist ja auch nicht schön, hier zu stehen, während da die Brötchen geschmiert werden“, mufft ein wartender Kunde vor der Theke herum. Dann brüstet er sich lautstark, eine Verkäuferin, wegen zu viel Luft im Brötchen, in der Zentrale stramm stehen gelassen zu haben. Er sei nämlich einer, der es denen da oben zeige. Brr, Brauner, möcht man rufen. Deine Art steht auf dem Index, dein Genstrang auf der braunen

Pesthauch

Ein Wochenende des fröhlichen Pesthauches. Allüberall Akrylamide. Aus Schmiedeessen, Bratwurstbuden, Stockfischgrillern, Leder, Fett, Stroh, Ammoniak und Xylamon. Man ist sich hier fies vor nix. SchaustellerInnen in Uniformen mit mittelalten Gerätschaften tanzen traditionell transpirierend nach Trommel, Tambourin und Sackpfeife. Zwischendurch versucht ein Verkäufer von Terassenüberdachungen seine Artikel den Passanten aufzuschwatzen. „Hier kommt der Drachentöter hin“, befahl großmundig ein Organisator bei der Stadtbegehung vor Sinn-Lefers. Es entpuppt sich als ein kümmerliches, grünes

Endorphino

       Los jetzt. Zwing dich. In der Sonne zu sitzen, Kaffee zu trinken und Vitamine zu produzieren bringt noch kein Wort auf´s Papier. Es ist Vormittags, und die Rößler-Rentner machen Geräusche wie eine defekte Herz-Lungen-Maschine inclusive Klicken, Quietschen und Flattern der Gummibälge, Litzen und Ventile. Happy Intensivstation. Lauter Kranke. Humpelnde, hinkende Menschen um mich herum. Ein Geruch von frisch geschnittenen Zwiebeln. Das Kleinkind der jungen Familie bekommt ein

der fünfte Presseklub

  Wie schön, wenn man für eine Veranstaltung keine Werbung mehr machen muß, weil alles ausverkauft ist. Das Lügenland freut sich, schickt es doch seinen besten Mann dort hin. Der Presseklub, 09.04. 2016, 20.30 Uhr

Langes Wochenende

Letztes Wochenende war ein langes Wochenende an der See. Kurze Erholung mit der Familie.   Vor Ort werden wir stimmungsvoll empfangen. Das hört auch am nächsten Morgen nicht auf. Immer wieder nett, die Sprönkel im Schlamm. Kurpark. Feuerwehrteich, fast kitschig süß. Mit Aliens in der Nachbarschaft. „Erzähl nicht so´n Schmarren“ „Fahr lieber in den Hafen. Schiffe gucken.“ Oder so. Es ist Postkartenwetter. Sonntags dann der Abschied. Kofferpacken für Drüben. Du

Einmal um den Block oder Hipp Hipp Hurray

  Gestern war ein guter Tag. Handwerker bestätigt. Die erste Ahnung von Frühling. Aufbruch. Ab um den Block. Die kleine Runde.   Ohne Autos, die Straßenschilder weg, dann müssten noch zwei Hunde durch das Bild laufen, fertig wär das Mittelalter.   Geschäftiges Treiben allüberall.   Die Stadt nimmt derweil ein Sonnenbad.     Selbst Totholz räkelt sich engelsgleich.   Es fühlte sich an,   wie langsames Erwachen.   Schön.  

Kissengeknitter

„Im Alter braucht man ja nicht mehr so viel Schlaf,“ ist die Antwort, die sich die Bäckereifachferkäuferin gibt, als ich kurz nach sieben auf Kaffee und Croissant vorbeischaue und das für mich schon sehr früh ist. „Sie tragen das Kissengeknitter noch im Gesicht“, lacht sie. „Gehts gut?“ Ihre Fürsorge ist vorbildlich und ja. Trotz dieser Uhrzeit ist der Moment gut. Schulkinder hetzen mit furchtsamem Blick vorbei, und ich bin froh,

homo nörgelus vulgaris

„Wir haben schon Eier im Schnee gesucht.“ Die Rößler-Rentner beschweren sich über den Klimawandel, über verurteilete Fußballmanager auf Bewährung, über Politessen, über Strommasten, Windräder, A46-Gegner, Fußgänger, die schneller gehen als sie, und über die Sonne, die sie gerade blendet. Ich muß mich nicht in den Großstädten der Republik aufhalten, um ‚besorgten Eiern‘ zu begegnen. Der homo neophilus, im Volksmund homo nörgelus vulgaris, ist allgegenwärtig. Aus neophob wird ganz schnell xenophob,