Waldspaziergang

Aufstieg. Steil. Kalte Luft, die die Nasenhaare versteift. Feuchter Boden mit glitschigem Laub. Wurzeln, das Brechen trockener Zweige. Auf halber Höhe ein Blick auf die Kleinstadt. Diesig, dösig. Weiter. Das da unten ist noch viel zu nah. Einmal die Kapelle umrunden. Leider wieder keine offene Tür. Höher. Da ist ein kleiner Pfad neben dem abgezäunten Wassergewinnungsgelände. Erst sanft, dann wieder steil nach oben. Wege kreuzen sich. Egal. Irgendwie geradeaus. Hier verlauf

Stimmungsbild

„Sind Sie schon unter den Lebenden“, fragt eine freundliche Verkäuferin einen Kunden. „Bin ich überhaupt unter den Lebenden“, antwortet der mürrisch, während zwei Jugendliche im Gespräch den Laden betreten. „Ich ess kein Menschenfleisch. Da bekommt man Krebs von“, sagt einer der Kids. „Hab ich Tabletten gegen Haarausfall und Mundgeruch. Mußt du nehmen“, nuschelt am Nachbartisch eine Frau durch ihre geschwollenen Wiener-Würstchen-Lippen ihren Mann an. Diese Gespräche sind ein gutes Stimmungsbild

Einmal um den Block

Ich hab einen Spaziergang mit der Kamera gemacht. Einmal um den Block. Dramatische Himmelsspiegelungen Stachelgedöns mit Zapfen, Krähen, die auf Ziegeln saßen, Moscheebeton im Abendlicht, der Beweis, das Gaffa das Universum zusammenhält, und dann eine meiner Lieblingsruinen. und dann, am Ende des Spaziergangs, das. Doch. Ich mag meine Umgebung.

workout

Der Vincenz wird wieder eingepackt. Die Mendener Katholen schicken ihn zurück. „Wir wollen einen neuen Vincenz. Einen, der zur Rinne passt.“ Langsam erholt sich mein Körper vom Flöry-Workout, einer Trainingseinheit, die alle bekannten und unbekannten Muskeln im Körper anspricht, fordert und foltert. Außerdem ist mir seit Hohoff in Waltrop jede Lust auf Mendener Back- und Süßkramwaren vergangen. Die letzte Trainingseinheit war auf dem Waldfriedhof in Hemer, knapp zwanzig Meter neben

Einbrecher

Ich behaupte, dass Kinder, die ihre Spielsachen am Band achtlos hinter sich herziehen, als Erwachsene das auch mit angeleinten Hunden tun. Rechts die rollende Einkaufstasche, links der angeleinte, kleine Mischlingshund, der mit ausgestreckten Widerstandsvorderbeinen mit gesenktem Kopf ganz selbstverständlich über das Knochenpflaster der Fußgängerzone zwangsgehoppelt wird. Als Belohnung für diese sehr subjektive und nicht zu begründende Behauptung stelle ich dann auch vor der Haustür fest, dass mein Schlüssel am Schlüsselbord

Der Geist der Mücke (gesprochen)

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Der Geist der Mücke

Die letzte Mücke zieht kraftlos ihre Kreise. Herr Peter P. meint, mit Blick in mein Notizbuch, das könne nicht sein. Die Letzte habe er gestern erschlagen. Also noch einmal: Der Geist der letzten Mücke zieht kraftlos seine Kreise, auch Frau Fruchtflieg hat sich schon zusammengerollt. Die Herbstgewitter singen kraftvoll ihre Weise, während Tod, der alte Schnitter, zufrieden seine Menschen trollt. Da hilft kein Pumpen in der Muckibude, keine sauren Vitamine.

Wer braucht schon Haiti?

Die Rößler-Rentner exerzieren die Wochentage und belegen jeden erinnerten oder zufällig darüber gestolperten Tag mit einer Wetterprognose. Zwischendurch hohes, schmerzhaftes Lachen der ehemaligen Kirmesbuden – und Markstandplatzverteilerin, wenn die solventen Senioren über Donnerstage mit Regenwarnung stolpern. Dieses Lachen benutzte sie früher als Zeichen der völligen Ablehnung bei Anträgen oder manchmal flehentlichen Bitten für einen anderen Standort. Dabei verbrannte sie mindestens drei Zigaretten in Folge zwischen ihren Fingern mit papierdünner, gelber

vor der Haustür

Brummig bräsiger Bratzenboss bringt Bauernbunken Benehmen bei. „Rotz nicht, Rudi“, sagt er, „wenn ich mit Kunden rede. Und Hände aus den Hosentaschen. Der Kunde denkt, du spielst mit deinem Pimmel.“ Schuldbewußt zieht Rudi eine Hand heraus, schnuppert dran und wischt sie an der Jeans ab.