Kurze Zusammenfassung, was vom letzten Juni bis jetzt so aufgeschrieben wurde.

Ein Rentnerpaar sitzt in der Sonne auf einer Bank, vor ihnen der neue Verlauf der Hönne

Langsam gibt es einen Wortstau in mir. Schon so lange keine Zeile mehr geschrieben, dass die Buchstaben Staub ansetzen.

Tintenstaub.

Was gibt es auch groß zu berichten. Die Welt ist nicht explodiert. Immerhin.

Die Zeugen Jehovas trinken Kaffee in der Oberstadt.

Spiel nicht mit den Schmuddelkindern, sing nicht ihre Lieder.

Geh doch in die Oberstadt, spiel mit deinen Brüdern.

Heißer Juno.

Das schleichende Gift der Nazifizierung hat die Gesellschaft auf Jahre verseucht.

Ingnoranz gilt in vielen Teilen der Bevölkerung als akzeptable Wahrnehmung.

Ich wollt, ich könnte eine Welt beschreiben, in der dieser Nazistrang in der menschlichen DNS ausgetrocknet ist, aber so blöd ist die Evolution nicht, dass sie je einen solchen Strang entwickelt hätte.

Faschismus ist menschengemacht.

Von Menschen gegen Menschen.

So pöbeln sie herum, die braunen Vasallen von Kalkül, Ignoranz und Herrenmenschenphantasien, säen Zwietracht und verbreiten Angst und Schrecken.

Sie sind der marode Querbalken in einem demokratischen Konstrukt mit verschiedenen Stützpfeilern, die sie versuchen zu infizieren, in dem sie sie anpissen.

Eitriges, braunes Pöbelpack.

Ebenso unattraktiv, wie diese cholerisch infantile Orange im weißen Haus, die Immigrantenkinder, die zwangsweise von ihren Eltern getrennt werden, in Internierungslager stecken läßt.

Dann, ein kleines Fest wegen einer schlecht verdienenden Krankenschwester, die absichtslos einen traurigen Tweet verfasst und ihre Follower eine Spendenaktion starten, die ihr tatsächlich hilft.

Großartig, von den Anfeindungen der Neider und Trolle mal abgesehen. Und gleichermaßen traurig ob dieser unerträglich unterirdischen Entlohnung in einem Pflegeberuf.

Ein italienischer Nachbar bietet im Vorbeigehen frisch gepflückte Kirschen an. Soziale Hygiene.

Er geht durch die nachbarlichen Gärten mit Kirschbäumen, fragt, pflückt, und versorgt die Kneipen, das Wettbüro, die FrisörInnen und die AnwohnerInnen mit seiner Beute.

Hebt für vier Wochen den Status und sorgt für eine entspannte Atmosphäre.

Nur schade, dass er drei Tage später mit schmerzverzerrtem Gesicht, einem großen, weißen Pflaster auf der Stirne und Erzählungen von Prellung und ausgerenkter Schulter – nein, bin nicht von Baum gefallen, war Treppe. Treppe! – seinen Staus wieder herunterschraubt.

Eine Pflegequalle redet von hinten oben auf eine Seniorin im Rollstuhl ein. Fachliche Inkompetenz ist bei Pflegehilfskräften an der Tagesordnung. Derzeitiger Fachbegriff: Honk. Hilfskraft ohne nennenswerte Kentnisse.

Die Fahrer der MK-Ambulanz strahlen den Charme rotwangiger Kopfschlächter nach der Frühschicht aus.

Wenden Sie sich vertrauensvoll an unser Pflegefachpersonal und halten Sie ihr Kleingeld bereit.

Ich erinnere an dieser Stelle gerne an die alte Deutschlehrerin, die in der Cramerschen wohnte, heimlich das Stationsbuch korrigierte und Noten vergab.

„Die können alle keine Rechtschreibung. Ich sag´s nicht gerne, aber die sind alle so unbedarft.“

Es riecht nach Campingplatzwaschraum. Frisch, mit einer Prise ausgefransten Wahnsinns.

Auch, wenn die vorbeiziehenden Gesichter gewaschen sind, manche glänzen noch rot vom Trockenrubbeln, so wirken sie doch abgehärmt und düster.

Wir leben in der besten aller Zeiten, mit großartigen Aussichten, und was machen wir? Wir sitzen mit einer Fliegenklatsche in der Bäckerei und hauen an der Schaufensterscheibe die Fliegen platt.

‚Wir sind ein Land, das sich nicht traut, für gut gehalten zu werden. Deswegen wird es böse.‘

Die WM hält schon die Startspritze in der Hand, die der ARD Korrespondent auf gar keinen Fall analysieren darf, Es lebe der Sport und die guten, internationalen Beziehungen, die es möglich machen, einem Austragungsland die gezielte Entführung oder Ermordung eines kritischen Journalisten zuzutrauen. Da weiß man, woran man ist und schickt vorsichtshalber mal die SchmusekollegInnen. Pressefreiheit bedeutet eben auch oft: Ich bin so frei und schieß auf die Presse.

Deswegen auch ein dreifach Hoch auf den russischen Künstler, der seinen Hodensack auf den roten Platz nagelte und große Verunsicherung auslöste.

Der alte Mann des Musikgeschäftes hat einen neuen Besen..

Diese Nachricht ist genauso wichtig wie Neuigkeiten über Trump und Kim Jong Un. Höchstwahrscheinlich wichtiger.

Die Rößler-Rentner bekommen britische Verstärkung. Alte, muffige Schurrbartleute, die jammern und sich beschweren, wie teuer deutsche Einbürgerung ist. Jetzt fehlt noch das: „Die da oben“, und die Transformation vom Royalist zu Pegidioten ist komplett.

Der pensionierte Realschullehrer für Arschlochkunde und Rechtsaussen schaut entzückt. Wieder ein Kandidat für seine kleine Naziblase am Nachmittag.

Segensreiche Stille an der Kolpingstrasse während der WM. Die Italiener nicht vertreten, die Türken nicht vertreten, die Griechen, na ja.

Jetzt müssen die Deutschen noch möglichst früh aussteigen. Etwas anderes kann man diesem Fahnenwahn nicht entgegensetzen. Bei anderen Ländern mag das keine Spuren hinterlassen, das deutsche Immunsystem ist schrecklich anfällig für den nationalen Bazillus und teilweise schon arg angefressen.

Bald ist Menden untenrum wieder schön.

Obenrum leer, aber untenrum schön.

Wie bei einem Model für Schamhaarfrisuren.

Die Cramersche wird frisch gstrichen. Die Konkurrenz wächst.

Das Knochenschinkenaltenheim an der Kolpingstrasse (ja, ich weiß Schatz. Der Investor ist jetzt ein ganz anderer, aber Knochenschinkenresidenz kling so schön) wird bald öffnen. Die letzten Meter des Parkplatzes sind in Arbeit.

Alle Kneipen in der Umgebung erweitern ihr Sortiment. Becher mit Schnaupe, Anschlüsse für Sauerstoffgeräte, Windeleimer auf den Toiletten, die Dealer wechseln von Marihuana zu Granufink, von Heroin auf Prostegutt, illegale Tuningteile für den Rollator werden auf dem Parkplatz der Pömmse feilgeboten.

Es liegt ein süßlicher Geruch in der Luft. Niemand raucht verbotene Substanzen. Es wird Honig-Karamell gedampft. Die Schafskälte läßt die ausgestoßenen Dampfwolken größer erscheinen. In Österreich würde man so gegen das Vermummungsverbot verstossen. Aber die haben ja auch ihren Babyhitler und extra lange Arbeitstage.

Eine Schwalbenschule kreist über der Stadt. Flatternder, kreischender Strudel.

Die Westfalenpost trinkt den Kakao, durch den sie gezogen wurde, und auch sonst ist alles schon fragwürdig.

Der alte, weißhaarige Mann des Musikgeschäftes reibt jedes der kleinen Tesafilmstückchen an seinen Plakaten, dann geht er in den Laden und kommt mit einem kleinen, frischen Stückchen, am Daumen klebend, zurück und reibt es liebevoll auf den freien Platz des Plakates.

Die Aphrodite vom Wannebach humpelt mit schmerzverzerrtem Gesichtsausdruck vorbei.

„Seit gestern Blockade im Rücken. Kann nicht arbeiten.“ Was für eine Frau mit vier bis fünf Minijobs ziemlich schlecht ist.

Krumm legen für ein kleines bißchen Glück.

Ach Regierungspolitik. Du gehst nicht gut um mit deinen ErnährerInnen. Du benimmst dich wie eine Schulklasse der Mittelstufe, die mal eben, nach einer Stunde im Rollstuhl oder am Rollator, ein Urteil über Barrierefreiheit abgeben soll, und stattdessen Rolli- und Rollatorenrennen veranstaltet.

Du verweigerst fliehenden Menschen die Hilfe und lässt sie im Mittelmeer ertrinken. Das geht auf deine Kappe. Mein Innenminister gehört vor ein Gericht gestellt. Da ist keine Spur von Respekt gegenüber seinen Mitmenschen in ihm. Vielleicht kriegt man ihn ja wegen Beihilfe zur Selbsttötung.

Arschloch nennen, wenn es ein Arschloch ist. Sollte der armeerikanische Trend, während der Schwangerschaft viel zu rauchen, damit der Fötus möglichst klein bleibt und die Geburt nicht so schmerzt, auch hier angekommen sein?

Jedenfalls steht sie mit großem Bauch und hervorspringendem Nabel, eine Zigarette rauchend, vor der Metzgerei und schaut sich Hühnchenschenkel an.

Wenn sie geht, stellt sie die Füße einwärts und wirkt so wie ein schwangeres, rauchendes Kind.

Da könnte ich jetzt schon Tränen vergießen für den Embryo, der atemlos von Chancengleichheit bei der Geburt träumt.

Was sind wir doch für eine glorreiche Spezies.

Wir maßen uns an, über alle und alles zu urteilen, solange wir selbst nicht betroffen sind.

Nie das Ergebnis vorwegnehmen.

Vielleicht wird durch die Sauerstoffarmut die aggressive Seite des Embryo eingeschläfert und ein Diktator verhindert.

Vielleicht wird durch die Sauerstoffarmut eine Intelligenz und Empathie verhindert, die den Embryo zu einem großen Heiler und Weltenretter hätte werden lassen.

Warum nicht einfach Dinge geschehen lassen (können).

Eine Maler – und Lackiererin restauriert ein Fenster vom Kultcafe, und schon sind Regina, Curtis, Macke, der Dachboden und ein frühes, psychisches Chaos im Kopf abrufbereit.

Ich sehe, wie Curtis, die dicke Boa Constrictor, sich von ihrem Wärmebett über der Toilette herabschlängelt, um das Meeschwein in der Badewanne zu erlegen.

Uhhh. Themenwechsel.

Das Furchteinflößende des Mendener Wing-Tsun-Kämpfers sind nicht seine Fäuste, sondern seine Bauchtasche.

Die Rößler-Rentner schwärmen gerade von deutschen Kolonien in Argentinien.

„Weihnachtsinsel? Die gehört uns nicht.“

Interessant, dass sie in ihrer Sprache die Gegenwartsform benutzen.

Die letzte Telefonsäule in der Oberstadt wird abgebaut.

Wenn Nazis doch wie Telefonzellen wären. Abgebaut, weil Geschichte.

Ein Senior, mit Kippe auf dem letzten Zahn und Sauerstoffflasche in der Gepäckablage, rast mit seinem entfesseltem E-mobil in die Zone. Wo finden die illegalen Rennen statt?

Der Himmel weint, die Gärtner lachen. Und die Bauern. Und die Talsperrenbesitzer. Kiri Kiri Kiri.

Der DHL-Fahrer trägt die Haare wie dieser Interpret des Titelliedes der unendlichen Geschichte.

In dieser Zone gibt es viele Zeitfalten.

Spötter würden sagen: knitteriges Ding, diese Fußgängerzone. Tiritiritomba.

Der italienische Kirschenpflücker gibt zu, aus dem Baum gefallen zu sein.

„Nie wieder“, sagt er. „Nie wieder. Wollt nur haben Spass. Wegen Kindheit und so. Aber Schulter, Kopf, alles kaputt. Nie wieder.“

Damit geht er, wohlriechend und immer noch leicht schmerzverzerrt, Richtung Espresso.

Le cock et mort, le cock et mort.

Es ist Ferienanfang.

Hoffen wir mal, daß alle Kinder das auch genießen können.

Eine alte Bekannte erzählt von ihrem Brustkrebs, und wir drücken uns ganz feste. Arschloch Krebs.

Ein schweißglänzender, junger Mann mit nacktem Oberkörper und roter Turnhose joggt vorbei. Das wirkt so fremd in dieser geriatrischen Zone, wie der Foodtruck vor der Knochenschinkenresidenz.

Aber die ersten Bewohner sind schon da und müssen irgendwie versorgt werden.

Deutschland ist raus, und segensreiches Nichtgefahne ist die Folge. Die Staatspariser über den Außenspiegeln der Autos hängen schlaff nach der vorzeitigen Ejakulation.

Natürlich gibt es einen Schuldigen, der zufällig irgendwie auch türkisch ist und jetzt den Frust der Nation und den Hass der Nationalisten aushalten muss. Das ist der deutsche Extrabonus.

Aber das Fahnengedöns ist weg, und die Stille der Nichtautokorsi erfrischend.

Zwei peruanische Musiker betreten die Stadt. Vielleicht haben die pflasternden Galabauern sie gerufen. Ihr Tempo ist grad unterirdisch langsam, mag am Wetter liegen, und peruanische Flötenmusik erhöht das Tempo, weil permanent der Fluchtreflex angesprochen wird.

Der pensionierte Realschullehrer für Arschlochkunde und Rechtsaußen blickt ihnen nach. Ein Blick, der Hass und Wut verheißt und von einem frustrierten Leben als untalentierter, menschenverachtendem Lehrer erzählt.

Drei Senioren und ein alter Hund stehen, bzw. liegen bei dem alten, weißhaarigen Mann des Musikgeschäftes und begutachten die durchfahrenden Autos und deren LenkerInnen.

Das Pflaster unter den Rädern klackert, murmelt, schmatzt und macht bei Nässe unanständige Geräusche. Eigentlich passend für eine katholische Kleinstadt, über der gerade ein Geruch schwebt, als wäre ein LKW mit vollen DIXI-Klos umgefallen.

Der türkische Nachbar hält seit neuestem Tauben. Er steht in einem entmüllten Gartenstückchen und versucht, die kleine Schar an die Umgebung zu gewöhnen.

Ration für schlechte Tage?

Bei den Schwiegereltern meines Schwagers gab es früher Taubensüppchen.

Vielleicht sind ja auch ein paar Renntäubchen dabei. Das Wettbüro ist ein Haus weiter.

Wenn das nicht Integration pur ist. Für das Ruhrgebiet. Hier, im Sauerland sind es die Rennkühe. Oder, für die Gebildeteren das berühmte Kuh- oder Fladenschach.

Eine Autofahrerin touchiert einen Fußgänger mit ihrer Stoßstange. Der schimpft, schlägt auf die Motorhaube und springt zurück. Sie rollt ungerührt weiter und beschleunigt, als er knapp außerhalb ihrer Reichweite ist.

Ein anderer Jungspunt bleibt mit seinem dicken BMW stehen, die Liebste steigt aus, geht in den Rossmann, der Jungspunt läßt den Motor weiter laufen. Und laufen. Und laufen. Als ich ihn bitte, den Motor auszumachen, schaut er mich an, als wolle ich sein Penis verknoten, legt einen Gang ein, fährt in die Zone, dann in die nächste Hofeinfahrt, den Motor weiter anlassend.

Ich erwähnte ja schon öfter die spezielle Asozialität von AutofahrerInnen, aber was muß das für ein Knacks in der Psyche sein, ständig im Fluchtmodus zu leben.

Der Bratwurstmann sitzt vor der Metzgerei, trinkt Kaffee, zerquetscht Fliegen auf seinem fleckigen Unterhemd und bei genauer Überlegung ist das ziemlich ekelig und erinnert an ein altes Kinderlied mit toten Fliegen im Kuchenteig.

Was bringt Menschen eigentlich dazu, mit diesen meerschweingroßen Hunden in die Stadt zu gehen.

Ich vermute dahinter seit längerem ein therapeutisches Geschäftsmodel. Alle, die „unabsichtlich“ auf so ein Meerschweinchen treten, tragen doch mindestens sechs Monate einen Schuldkomplex mit sich herum.

Schuld.

Des Deutschen liebstes Thema. Ich hab recht und du bist schuld.

Kommt Ihnen bekannt vor? Schauen Sie mal in Ihre Psyche. Versteckt sich gerne hinter Halbwahrheiten und Existenzängsten. Ich hab recht und du bist schuld. Danach folgt „Die da oben“, weil die da oben ja immer die Schuldigen sind.

Wir haben die schlechtesten öffentlichen Vorbilder seit Langem. Das färbt ab auf die Verbraucher.

Eine Nonne oder Diakonin aus Bangladesch geht die Zone herunter , vorbei an zwei alten Damen, hebt kurz den hängenden, linken Arm mit hohler Hand, und ganz kurz wirkt es, als wolle die Nonne einer der alten Damen an den Po fassen.

Es war sicher eine Schutzgeste, aber wir Menschen interpretieren, verbinden ihre Handlung mit unserer aktuellen Gefühleslage, was hoffentlich nicht bedeutet, dass ich den alten Damen an den Po fassen wollte.

„Haben Sie rote Marmelade?“

„Rot, gelb, grün, blau, was Sie wollen. Ist alles das Gleiche. Hauptsächlich Zucker.“

Menschen, die mit offenem Mund Lebensmittel kauen, weiß man da schon Genaueres?

Bei der Polizei wird gerade überlegt, ob jeder Uniformierte demnächst eine Spuckhaube mit sich führen sollte. Die darf er dann festgenommen Lamas über den Kopf ziehen. (wurde in HH übrigens schon erfolgreich ekelhaft eingesetzt)

Gebt uns zwei Jahre, dann wird aus der Spuckhaube ein ganzer Sack. Wie bei Brazil. Und der wird dann zugemacht. Ratzfatz.

Ich werde ab jetzt die kleine Rechte aus der Nachbarschaft auch kleine Rechte nennen.

Bei einem Interview vor zwei, drei Jahren, war das Strassenumbennung oder was gegen die AFD, jedenfalls war sie eine der Wenigen, die rechten Parolen durchaus positiv gegenüberstand.

In meiner grenzenlosen Naivität nahm ich an, sie mache sich etwas lustig über uns, da ein hintergründiges Schmunzeln um ihre Lippen spielte, als sie meinte, es sei gut, was Faschos so tun.

Gestern humpelte sie an mir vorbei, einen Einkaufstrolley hinter sich herziehend.

Auf meine Frage, was denn los sei, immerhin ist sie Nachbarin, erzählte sie über ihre Knie-OP und ihre neue Kniescheibe, um als nächstes loszumeckern.

„Die haben uns noch nicht einmal Krücken gegeben. Und ein Taxi zum Krankenhaus bezahlen die auch nicht. Ob ich keine Familie hätte, haben die von der Krankenkasse gefragt. Die könnten mich ja bringen. Ich hab ne Tochter, und die ist im Urlaub. Dafür zahl ich Beiträge. Den Asylanten schieben sie es vorne und hinten rein. Dreckspack.

Die kleine Rechte mit brauner Lederhaut und neuer Kniescheibe.

Strunzdoof plappern die Mädels am Nachbartisch.

Plapperplapper.

Sie plappern über Freizeitparks, und Ihr Wortschatz ist so gering, dass die Dummheit anklagend die Hände in die Luft wirft und ruft: „Sieh, was Du mich hast anrichten lassen.“

King Daddeldu, der pensionierte Deutschlehrer ruft zurück: „Ich hab mein Bestes gegeben. Aber mit einem Sieb kann man kein Wasser schöpfen.“

Worauf die Dummheit antwortet: „Du musst das Wasser dicker machen. Wie Gelee.nein, besser wie einen Smoothie. Das ist hip. Das mögen die Kids.“

Wir täten gut daran, den Nürnberger Trichter zu erfinden. Wie schön wäre es, bei belauschten Unterhaltungen mal auf Nieveau zu stoßen.

Erwachsene Männer in kurzen Hosen und hochgezogenen Kniestrümpfen.

Weiß man da schon Genaueres?

Die NikotinikerInnen husten noch einmal ordentlich Sputum ab, bevor sie die Zone betreten.

Ich stelle mir gerne vor, sie täten dies mit der Melodie des Gefangenenchores aus Verdies Nabucco, während die Queen of Nikotin den Taktstock schwingt.

Schwitzende, weiße Menschen wirken immer so hilfsbedürftig, wenn sie sich rotgesichtig, mit Schweißperlen im Gesicht, bemühen, die Contenance zu wahren.

Da sollte das nächste Ziel der Evolution doch sein, den weißen, deutschen, schwitzenden Menschen, der nächsten Generation ein wenig südländische Raffinesse der Hitzbewältigung zukommen zu lassen. Dann sind wir alle braun, und niemand muss mehr Nazi sein.

Zwei Frauen tanzen, fast beschwingt, vorbei.

Sie feiern ihren 16ten Hochzeitstag und da gratulier ich ihnen doch gerne.

Und Wo ich schon mal dabei bin, gratulier ich allen acht Milliarden Menschen ebenfalls.

Verheiratete Singel, Polyamourös, Monogam, Bisexuell, Homosexuell, Metrosexuell, Transsexuell, Sexualität Ablehnend, herzlichen Glückwunsch, dass es Dich gibt.

Du kannst zwar nichts dafür, aber wo du schon mal da bist, mach was Gutes daraus.

Sei kein Arschloch.


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