Arschloch Krebs

In die Lungenklinik zu fahren, um einen guten Bekannten zu besuchen und dann von einer Schwester gesagt bekommen: „Der ist nicht hier. Rufen Sie bitte die Angehörigen an. Ich darf Ihnen da nichts Weiteres zu sagen“, kann einen ganz gut aus der Bahn werfen. Gestorben an Arschloch Krebs. Nichtraucher, zehn Jahre jünger als ich, zwei Kinder, bis Anfang Dezember fit, quirlig,mit fettem, krähenden Lachen. Jetzt ist Anfang März, und der

Der Tag, an dem Politessen bewaffnet wurden

Der Tag, an dem Politessen bewaffnet und mit umfangreichen Rechten ausgestattet wurden, gilt bei AutofahrerInnen als Tiefpunkt ihrer Dreckschleuderromantik. Die Auswirkungen waren gravierend. Konnte man früher Politessen ungestraft auf das Übelste beschimpfen, im Idealfall sogar handgemein werden, mußte der Blechpöbel jetzt einen Schuß in putativer Notwehr, 20000 Volt brrzzzel, mindestens aber hochpotentes Reizgas in die Augen erwarten. In der ersten Zeit nach diesem Schicksalstag spielten sich ungeheure Dramen auf den

Neue Arme?

Einige werden sich erinnern. Irgendwann letzten Jahres riß ich das alte Garagendach ab und ersetzte es durch ein neues. Die alten Balken, Heraklit, Rigips, Glaswolle, Dachpappe, alles ziemlich angerottet, lag im Garten und wartete auf Abholung. Am Freitag bekam ich von der weltbesten Flöry ihren orangenen Pritschenbulli geliehen. Der passt so gerade durch die Einfahrt. Seitdem schleppe ich und fahre alles nach Hüingsen. Na ja. Mit dem Fahren ist das

Waltons²

Welch ein Spaß, wenn ein macho-macho-italo-Nachbar ein ganz kleines, kaum wahrnehmbares Morgengrußnicken herauspresst. Mich nicht zu grüßen, wäre sehr unhöflich, da ich in der italienisch-griechischen Männerrunde der Oberstadt irgendwie doch angenommen wurde. Also geschieht neuerdings das Grüßen, wenn auch klein und mit zusammengebissenen Zähnen. Natürlich grüße ich zurück. Es gibt nur wenige Menschen, die ich nicht grüße. Den Ekelpapst, den grüße ich nicht. Das ist fast wie ein Duell, wenn

Generation Weichspüler

Fieser Nieselschnee verdichtet die Stimmung zu einem dunklen Klumpen Erdpech. Die wetternasse Kleidung der frierenden Bevölkerung verbreitet einen konzentrierten Weichspülergeruch. Manchmal hab ich die Vermutung, Menschen tränken Lenor vor der Waschmaschine. Nicht Generation Weichei. Generation Weichspüler. Völlig scham – und zweifelsfrei verbreiten sie ihren riechenden Chemiedrink und fragen sich, warum ihre angefixten Kinder Spice rauchen. Hauptsache Chemie. Papa ruft derweil in der Autowerbung: „Nach rechts! Nach rechts! Gut gemacht, Großer“.

Sachdienliche Hinweise

Erst jetzt wird mir die Wichtigkeit der Mendener Zeitungslandschaft bewusst. „Haben Sie dieses Brot da? In der Zeitung stand, das soll so gut sein.“ Ich nenne beide Blättchen ab sofort „Sauerländer Bäckerbote“. Das Neueste aus Backmischung und Zuckerguss. „Croissant in Kuvertüre ertränkt. Die Polizei nimmt sachdienliche Hinweise entgegen.“ Steht eigentlich New York noch, und müssen wir jetzt Care-Pakete schicken? Denk an dein Päckchen nach drüben! Ich würde ihnen ja gerne die

Schlaflos

Die mongolische Völlerei (Danke Katrin) hat mich mit sehr viel Energie versorgt. Genug für ein paar griffige Ideen. Bis drei dabei Notizen.  Dann schlafen. Denkste. Bis halb fünf geschwurbelte Phantasien von mindestens fünfzehn Menschen, die mich träumten. Augen auf und ach du Nacht, von Dir mach ich jetzt Fotos. Schon oft gemacht, auch mal zur Nacht, doch noch nie ein Bild des frühen Morgens. Das ist das Licht des frühen Vogels. Das auch.

Lachen

Und wenn ihr die ganze Welt in die Luft sprengt, ihr Menschenkaputtmacher aus Religion, Politik oder Wirtschaft, werde ich doch nicht aufhören, euch auszulachen. Das Lügenland trauert um die Artverwandten in Paris. #CharlieHebdo

Morgengruß

„Guten Morgen“. Es ist das erste Mal, dass er mich grüßt, und es fühlt sich nicht gut an. Er sagt es sehr klar, sehr deutlich, betont stark das „t“ in „Guten“ und bei dem „o“ von „Morgen“ hebt sich seine Stimme um fast eine Oktave. Der Gruß wirkt insgesamt musternd, begutachtend, als ginge er davon aus, ich hätte eine, wie auch immer geartete, Straftat begangen, nur habe er es noch