Man gönnt sich ja sonst nichts

Bla-bla-bla möchte ich diesen Text beginnen. Ich bekomme mein Geplapper nur gestillt mit intensiver Meditation. Dann ist Ruhe im Kopfkarton. Die andere Zeit ist Bla-bla-bla. So wichtig, wie ein Polizist mit Wursttüte. Kein Menschenfreund. Heut bin ich kein Menschenfreund. Die Rößler-Gang diskutiert über die besten Parkplätze mit religiöser Inbrunst. Automatentickets sind die Hostien des 21ten Jahrhunderts, Tiefgaragen die Sakristei der Verbrennungsmotoren. Das Blut Christi hat 89 Octan und wie ich

Siegfried

„Sind Sie solo, so wie ich“, zischt es aus seinem stoppelbartumrundeten, fast zahnlosen Mund. Sie schüttelt den Kopf. „Oh schade! So eine hübsche Frau. Und dann noch Polin. Wie meine Mami. Aber damals war das noch deutsch. So schade.“ Es ist nicht ersichtlich, was für ihn so schade ist. Dass sie einen Partner oder eine Partnerin hat? Dass Polen nicht mehr deutsch ist? Dass sie eine hübsche Frau ist? „In

Nach dem Schlußapplaus

Das kann ich gut. Eine Krankheit solange verdrängen, bis die Aufgabe erfüllt ist, um nach dem Schlussapplaus stilvoll zusammenzuklappen. Jetzt hab ich das Bild von blutigen, stacheligen Fetzen an Stelle von Lunge oder Bronchien vor Augen. Atmen schmerzt, Schlucken schmerzt, Husten Hölle, gepaart mit Schweißausbrüchen und Frieren. Bei meinem Hausarzt, seit vierzig Jahren vertrautes Gegenüber, herrscht im Wartezimmer eine Husten-Röchel-Sputum zieh hoch – Kakophonie. Jean-Paul – der eigentlich Filippo heißt

Scheuer Vogel Übersicht

Endlich ist der Knoten geplatzt. Die erste Probe, in der es fluppte. Es ist ein zerbrechlich grober Klotz, mit sehr sensiblen Momenten, mein kleines Bäckereicafe. Mein schallendes Lachen war endlich da und hat so befreiend gut getan. Bis die Technik ihren Geist aufgab. Erst explodiert ein gelbes Alarmlicht, dann verließ uns ein Scheinwerfer, dann ein neuer LED-Fluter, by by Stroboskop, dann lang und ausgiebig ein Softwarecrash. Freut euch, oh Christenheit

Weihnachtsteelichter

Trübes Wetter mit guten Aussichten, gleich drei Stühle für Filiale 43 3/4 besorgt zu haben. Kraftraubend, wie schon lang nicht mehr, dat Janze. Es ist der Versuch, Alltag, Weltgeschehen und Menschenstimmung in komprimierter Form auf die Bühne zu bringen. Und es soll Spaß machen. Nichts ist schwieriger als ernsthafter Spaß. Und weil Weihnachten ist, und auf den Tischen Tannengrün mit Teelichtern stehen, kokel ich aus Versehen auch mein zweites Notizbuch

Herbstlicht

Schon fast Tradition. Mindestens vor einer Probe, letztes Jahr war es „Antigone“ dieses Jahr Filiale 43 3/4, mach ich einen Beruhigungs- und Erholungsspaziergang im Wald. Das ist ja nie verkehrt. Und es gibt immer was zu gucken. Vom Parkdeck des Krankenhauses – mit diesen Schornsteinen-  durch das Krankenhaus in den Wald. In Kleinstädten liegt alles so nah beieinander. In echt sah das noch viel schöner aus. Glühendes Laub kurz vor

Probenarbeit

Manchmal fühlt es sich an wie ein Wettbewerb im Dauertanzen. Wer stehenbleibt, verliert. Wer das Gleichgewicht verliert, verliert. Da sind Moment überschwenglicher Freude neben dem völligen Verlust der Übersicht, inclusive 1a Panik, die in der Nacht ganz leise höhersteigt. Herzrasen in Bewegungslosigkeit. Dann wieder: „Jubi-jubi-jubilee-ha-ha-ha“, wenn Szene greifen und AHA-Momente den Abend krönen. Das geht jetzt so bis Weihnachten. Oh du fröhliche.

So zwischendurch

Da ich doch gerade sehr beansprucht werde mit Filiale 43 3/4, bleibt wenig Zeit zu schreiben. Deswegen nur ein paar Fotos. Herbstliche Fotos. Das war vor zwei Wochen an der Ostsee. Und das in der kleinen Stadt

nur ein Wort

Wenn nichts mehr geht im Kopf, schreibe ich nur ein Wort. Herbstwind beispielsweise. Das ist ein schönes Wort. Da kommen die Bilder von ganz alleine. Tanzendes Laub, farbige Blätter, Kastanienmännchen. Marmelade ist auch ein schönes Wort. Marmelade. Das geht über die Lippen wie ein feuchter Kuss mit Zungenschlag. Kinderkrippe klingt sehr hart für die weichen Koten, die dort ihren Tag verbringen müssen. Babyklappe hingegen hat den richtigen Klang von Nüchternheit,