Drei Leichen

Drei Leichen auf 200 Metern kamen mir heute morgen zu Fuss entgegen. Die Haut fahlgelb und leichenblass. Ab Oktober beginnt in Europa die Sterbezeit. Drei tote Wespen liegen unter meinem Stuhl und die Husteröchelfrau schreitet rauchend vor dem Schaufenster auf und ab. Rauchen oder essen, essen oder rauchen. “Ach, bin ich schon dran, nee, bedienen sie ruhig erst die Anderen. Ich will erst- hust- röchel- zu Ende rauchen.”   narr

Feuchte Flatolenzen

Die Linken haben einen Stand in der Innenstadt. Alte, Mendener Poalbürger stehen etwas abseits und schütteln empört den Kopf, zischeln und tuscheln wie alte Dampfmaschinen, in der gewachsenen Lippenfalte ein kalter Zigarrenstummel: die gehören doch alle in ein Lager, wo man früher – Arbeit macht frei – drangeschrieben hat. Als der Narr sie darauf anspricht und mit einer Anzeige winkt, spritzen sie auseinander wie feuchte Flatolenzen im Reisigbesen. narr

Schauerlich

Wie fürchterlich, in Gesichtern und Haltungen von Kindern und Müttern ihre Zukunft lesen zu können. Wie klar erkennbare Zeichen in Stein gemeisselt. Und alles andere als rosig. Natürlich ist es vermessen, so etwas zu behaupten, aber noch vermessener ist es zu behaupten, dieses Kind, was da gerade bräsig im Kinderwagen Mami malträtiert, würde später ein nützliches Mitglied der Gesellschaft werden. Breitbeinig im Speedbuggy, vermittelt es den Eindruck: hol Zigarette, hol

So nett

„Ein Häuschen im Grünen, kleiner, süsser Garten, Dachboden ausgebaut, zweite Etage zwei Raüme, da machen wir einen raus, das ist so einmalig, ich bin noch ganz aufgeregt, mit Badewanne,…..” Die Bäckereifachverkäuferin hat vor lauter Aufregung glühende Wangen und ihre Stimme ist jetzt so kieksig, dass sich Croissont und Wikinger vor Schmerzen krümmen. Und mit einer Körperhaltung, die in homosexuellen Kreisen “Teekanne” genannt wird, erzählt sie weiter von heulenden Kindern, die

Trio horribilis

Na, was ist das denn für ein Tagesbeginn. Ein Sommertag so feucht und kalt und grau. Gibson würde sagen: ein Himmel in der Farbe eines toten Fernsehkanals. Da ist ein Kaffee und ein Croissont im Warmen genau das Richtige. Aber nicht, wenn mit dem ersten Schluck aus der Tasse der Ekelpapst in seinem Konfirmationsanzug mit zwei Schwestern, Cousinen, ich möchte die Verwandschaftsverhältnisse gar nicht klären, den Raum betreten. Sie wollen

Hilfe

Ein Pastor verfolgt mich. Dazu noch ein Lutheranischer, was dem Ganzen Schärfe verleiht, da in Menden die Katholen mehr als in der Überzahl sind. Da wird um jede, noch so heidnische Seele gekämpft. Kennengelernt haben wir uns zwei Tage vor der Beerdigung meines Vaters. Da kam er, Vertretungspastor, da der richtige im Urlaub weilte, pflanzte sich meiner Mutter und mir gegenüber auf die Coutch, Beine weit gespreizt, als sollten wir

Filiale 43 – der Anfang

Ekelalarm. In der sauerländer Starbuckversion, zu meinem heutigen Frühstück, sitzen neben mir zwei alte Männer. Mit beiden hatte ich schon häufiger das Vergnügen des uneingeschränkten Ekels. Einer davon hat mich mehr als einmal sogar unsittlich berührt und wollte Sex von oder mit mir. Ekelpapst Tick-Tack . Grabschte mir am Arsch herum, betatschelte mein Knie. Na gut, ich war im Fummel, langes Kleid, Seidenstrümpfe, Pumps. Solidaritätsauftritt für einen Jazzclub. Nach dem

No smoke

Riesenstimmung hier im Club. Die Konzentration rutscht weg wie frisch gebohnert. Die molekulare Plasmamembran alle meiner Zellen schreien nach Kondensaten. Rauch, Teer, Nikotin. Ich will quarzen, qualmen, kiffen, paffen. Gleich häute ich mich und dreh mir Zigaretten draus. Auf der Mauer, auf der Lauer sitzt der Nikotinzerkauer, sitzt die kleine Wanze. Ding Dong, dingelong. Tiritiritomba. Ein Geruch wie das Glockenspiel im Wäldchen vor unserem Krankenhaus in Wimbern. Katholische Krankenküchenkacke. Aber

Zeit

Ich seh die Zeit verrinnen, jede nicht genutzte Sekunde ist eine verlorene. Der Blutopferritus ist staerker denn je. Alle haben das Gelbe vom Ei erfunden. Gestern erzählte eine Passantin, dass sie die Füsse ihrer Mutter hasse und bei jeder Berührung müsse sie sich sofort waschen. Dafür, so erzählte sie weiter, nähme sie ihren kleinen Hund mit unter die Dusche. Beinahe hätte ich sie in den Fluss geworfen. narr

Sinderella

 SINDERELLA     Schon mehrere Jahre läuft diese Person am narren vorbei. Jetzt kennt er ihren Namen und einen kleinen Teil ihrer Geschichte. Und Ihren Spitznamen. Alle nennen sie hier nur Sinderella aus Sindelfingen, was sie, wie sie selber sagt, einem ihrer dämlichsten Fehler zu verdanken habe. Als sie es sagte, tat sie es in einer Mischung aus deutsch und polnisch  mit einer frischen Einfärbung sauerländischen Dialektes, wie etwa –