„Geh nicht ins Licht. Geh nicht,“ flüstere ich hinter dem Lenkrad.
Die Straße ist ein gleißendes Lichtermeer.
Sie ist nass, die Sonne steht tief. Die Augen sind nicht in der Lage, den Lichtdornen auszuweichen. Nichts, außer Schmerzen der Helligkeit, ist zu sehen.
Der Gegenverkehr verschwindet, die Augen tränen, was dem Gleißen eine Korona verleiht.
War da eine Ampel? Wie ist denn jetzt der Straßenverlauf?
Die Erinnerung überbrückt ein wenig die Blindheit, ist aber keine zuverlässige Hilfe.
Waren da nicht mal Häuser, ein Einkaufszentrum, eine Stadt namens Hemer?
Alles versunken in schmerzhafte Lichtfluten.
Es ist schwierig die Spur zu halten, dieser Dezemberfrühlingstag hat es in sich.
Heute ist alles Herausforderung.
Ich fahre zu einer Familie, in deren Wohnung Nahrungsmittel im Überfluss überall verteilt sind.
Heute ist mein fünfter Tag des Fastens.
Alle Geschmacksknospen im Körper gieren nach Arbeit, nach Geschmack.
Salzig, süß, sauer, bitter, fluffig, knackig, krustig, flockig, matschig, in dieser Wohnung ist alles vertreten.
Zwei große Kühlschränke, eine große Gefriertruhe, eine Speisekammer.
Auf jedem Tisch, jeder Arbeitsfläche liegen Spekulatien, Dominosteine, Lebkuchen, Tüten mit kleinen Ersatztwix, Ersatzmars, Ersatzmilkyways, eingeschweißte Waffeln, Baiserhörnchen, Pappweißbrot, Rosinenbrot, Graubrot, gekochte Eier, Bananen, selbstgebackene Plätzchen.
Außerdem glüht auf dem Wohnzimmertisch ein selten scheußliches Artefakt aus der Tiefe einer Schützenseele.
Was ne Machoscheiße.
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Auf dem Heimweg taucht die Sonne alles in ein strahlend orangenes Licht.
Der Kapellenberg glüht in einer Farbe, die eines Frühlingstages würdig ist.
Um neunzehn Uhr muß ich zurück in die Nahrungshöhle.
Möge die Macht mit mir sein.
narr

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