Kippen

Ab wann ist kleinlich kleinlich? Wie gross soll eine Kleinigkeit sein, damit sie erwähnt und kritisiert werden darf. Zigarettenkippen auf den Bürgersteig zu werfen gehörte früher zum normalen Draussenverhalten, zum normalen Umweltverhalten. Heute ist es eine Ordnungswidrigkeit (was für ein Wort), und es nervt. Draussen angebrachte Aschenbecher werden rauchend als Armlehnen benutzt, die Kippe wird auf den Boden geschmissen. Richtig nervig sind parkende AutofahrerInnen, die ihren Autoaschenbecher im Rinnstein entsorgen.

Quengel

Olfaktorisch rast der Anfang des Jahres Höhepunkten ungeahnten Ausmasses entgegen. Von Nichtgewaschen seit Weihnachten bis grad aus der Dusche mit Tropenfiebershampoo in den Haaren, Eukalyptusatem und frische Rosinenwecken, Pferdedung und Metzgereiabfällen. Der hirnlose Homide wird von den Fachverkäuferinnen ermahnt, die Serviette nicht in die Tasse zu knüllen. ” Ich hätt gern nen Berliner,” sagt das kleine Kind. “Ach, das gibt doch nur ne Sauerei, “erwidert die Mutter. Wenn das kein

Heute verfolgt mich die Huste-röchel Frau. Zum Glück ohne nikotinverklebten Dobermann. Ihr Gurgeln, Räuspern, Sputum hochziehen hallt gespenstisch gedämpft durch die verschneiten Gassen. Der Auswurf gefriert noch in der Luft. Bei diesen Temperaturen wirken die Menschen wie eingeschnürt in Kokons. Durch die eingeschränkte Bewegungsfreiheit, die Kälte und das Schneegrieseln von oben bekommt Gehen etwas aufrecht Schaukelndes, Schwankendes. Erinnert an die Versuche, die Riesenstatuen der Osterinseln durch Schaukeln von der Stelle

So holy

Weihnachten, der Wahnsinn zieht durch die Städte. Und wer ohne Schuld sei, werfe das erste Geschenk. Irgendeine Gemeinde in der BRD boykottiert den Coca-Cola durchtränkten Santa Claus. Alle Geschäfte machen mit und tauschen die rote, armeerikanische Deko mit dem erdigen Beige und Braun des heiligen Sankt Nikolaus. Tradition möchte man, wie Tevje (wenn ich einmal reich wär) rufen und den Rentieren Namen wie Adolf, Heinrich oder Wotan geben. Dann hört

parampampam

Heiliger Vormittag, die halbe Welt sieht rotgüldene Sternchen vor den überlasteten Lamettaaugen. In Fililale 43 wird der narr von einer alten Dame angeflüstert. ” Kommen sie, setzen sie sich auf meinen Platz. Sonst setzt sich der Blödmann da hin”. Gemeint ist der hirnlose Homide. Die Verkäuferinnen wirken, als hätten sie heute Vormittag ihren zweiten oder dritten Schlaganfall hinter sich gebracht, während die Kunden mit einer Mischung aus Ephedrin, Meperedin und

Olfaktorientiert

Stinkstankstunk. Manche Frauen tragen ein Parfum, dass sehr stark riecht und an kleine, gelbe, glänzende Urinalsteine erinnert. Manche Männer, vornehmlich alte Sizilianer tragen Patchuli und riechen wie eine Grube voller toter Pilze. Manche ältere Kinder und alte französische Marktfrauen riechen wie die Füllung von bunten Ostereiern aus Zucker. Die Metro in Paris riecht wie sozialistisches Kinderspielzeug aus Metall und Gummi. Und manche Männer riechen nach Reinol und langkettigen Monomeren von

Hirnfreier Homide

„Ne Knarre in die Möse drücken.” murmelt es hinter dem narren, während der in einer kleinen Schlange vor einem Kiosk steht. Der Murmler ist ein Schwachkopf vor dem Herrn, von Geburt an ohne Hirn und typisch für einen grossen Prozentsatz der Bevölkerung. Eigentlich sollten wir ja eine Solidargemeinschaft sein, aber bei allem Respekt vor allem Menschlichen: mit solchen hirnfreien Homiden möcht ich nicht solidarisch sein. Die gehören auch nicht auf

fit

Im Moment reagier ich auf das Thema” fit im Alter” ein wenig bitter. Der narr erlebt derzeit, wie ein alter Mensch so nach und nach seinen Verstand verliert und das glasklar mitbekommt. Das ist kein Vergnügen und kein bisschen komisch, wenn Lebensmittel nicht mehr erkannt werden oder man sich nicht mehr an altvertraute Wege erinnert. Demenz ist tückisch, hinterhältig und grausam. Am Schlimmsten ist es für die Person, die es

Statusmeldung

Morgens um 6.30 Uhr, Schneematsch fällt in Brocken vom Himmel, die Nacht war, gepuscht mit einem Liter Adrenalin, nicht zum Schlafen da. Filiale 43 ist noch geschlossen, also weiter durch die Stadt. Der Schneematsch kühlt die durchwachten, geschwollenen, brennenden Augen. Es schmerzt in der Seele, bei Kamps zu konsumieren. Allein die Vorstellung, mein Geld, und sei es auch noch so wenig, unterstütze dieses unsäglich unerträgliche, blonde Plappermaul, verheiratet mit dem

Kammerton A

Kammerton A liegt über Menden. Gewiss sind es die Christen, die ihren Lobgesang trainieren. Der Ekelpapst kommt in Filiale 43, verlangt sechs Brötchen und erzählt, während ihm der Rotz aus der Nase läuft, dass er erst ab 20 Oktober die Heizung startet. “das Öl ist so teuer.” Dann fährt er mit seinem Phaeton, einem Picknickkoffer und seiner Frau spazieren. Im Auto ist es wenigstens warm. narr