Vor und nach einem kleinen Einkauf

Vor dem Einkaufen das Gefühl, an den Erinnerungen anderer teilzuhaben, nach dem Einkauf brauchten die Augen Trost in schwarz-weiß Doch das Licht war für Farbe viel schöner Denkt sich auch die grimmige Habichttaube Lasse die Birken auf mich wirken und denke mir: Die sind auch noch nicht weiter seit dem letzten Besuch.

Grad eben

„Schreiben Sie wieder?“ „Ähm. Im Moment reden Sie mit mir.“ „Ja, ja. Was schreiben Sie denn?“ „Nichts. Ich rede mit Ihnen.“ „Schreiben Sie auch über mich?“ „Ich schreibe grad gar nicht.“ „Hihi. Ihnen fällt nichts ein, nicht wahr?“ „Richtig. Dazu fällt mir nichts mehr ein.“

So Tage

Das sind so Tage, da ist der Kopf leer und ich denke mir: Schweig doch einfach. Sei ruhig. Halt die Klappe. Sehe mich zum Stift greifen und schreibe: Das sind so Tage, da ist der Kopf leer. Schweig doch einfach. Sei ruhig. Halt die Klappe. Aber nein. Ich muß unbedingt aufschreiben, dass ich nichts zu sagen habe. Leg den Stift beiseite, schau aus dem Fenster und warte auf den Postboten,

Kirmeskapitalismus

Kirmes ist der Ort, an dem man für eine Trillerpfeife im Warenwert von zwei Cent vier Euro bezahlt mit dem Gefühl, etwas gewonnen zu haben. Das ist genau das Erfolgsrezept umtriebiger Industrienationen. Auf der einen Seite die blökende, meckernde Herde die glaubt, Freiheit sei die Möglichkeit, alles kaufen zu können – und Extrafreiheit gibt es zum Schnäppchenpreis – auf der anderen Seite die Anbieter, die mit immer neuen Tricks und

Vormittägliche Gedanken

„Kommst spät. Hast verschlafen“, brüllt der aufgeräumte Theo, als ich die 43 betreten will. Unterbrich deine Routine. Der Kleinstadt wird es auffallen. (Nur zur Info: es gibt Theo und es gibt den aufgeräumten Theo. Theo hat schon vor Jahren sein Blut erfolgreich gegen Ouzo ausgetauscht, bei dem aufgeräumten Theo lagen weniger Gyrosreste im Flokati.) Eine weißhaarige Oma sinniert in tiefstem Ostpreußisch: „Wär ich gewesen friher so dünn, die Leit hätten

Kleiner Gruß

Jeden Tag, wenn ich in den Garten gehe, lachen mich diverse Blumen an. Ich lache zurück. Grüße die zurückhaltende Eleganz der Kornblume. Grüße auch dieses spillerige Dingens. Keine Ahnung, wie du heißt, gefallen tust du mir trotzdem.

Revolution

Bombenstimmung hier im Club Europa. Ein falsches Wort, und es wird brenzlig. Der innere Schweinehund mutiert zur Bestie. „Kuck nich so blöd. Gleich gibt´s auf´s Maul.“ Der Frühling tanzt einen blutigen Quickstep, hopst Leben zertretend durch Wald und Flur und krönt seine Show mit ertrunkenem Fleisch. Kein schöner Land in dieser Zeit. Die Menge steht und geht gesenkten Hauptes mit Smartphoneblick. Wer hat die besten Bilder? Schnell noch ´ne Petition

Aber so?

„Guck mal. Ne Presswurst in Nappa-Ersatz. Findest Du sowas sexy?“ „Sie findet es sexy. Das reicht doch.“ „Aber so?“ „Soll sie in Schutt und Asche gehen, weil sie nicht Deiner Norm entspricht?“ „Aber so? Und schau mal, wie die sich bewegt. So betont.“ „Du magst es lieber schleichend, niedergedrückt von Deinem Ätz?“ „Nein, aber so?“ „Vorsicht. Da ist eine dicke Fliege.“ „Macht nichts. Die ess ich als Nachtisch.“ „Ah. Das

stets willkommen

Ein wenig wie in Hollywood wirkt es jetzt. Fast nicht echt. Was früher ein kleiner, schmuddeliger Vorgarten mit Magnolie war, ist jetzt ein purisitsch reinweißes Anwesen mit alter Magnolie im Kiesbeet Strahlend hell wie eine Filmkulisse vor ihrem ersten Take. Egal, Frühling. So oder so. Du bist mir stets willkommen.

Wonnich

Der Himmel so feucht, mit der Farbe schmuddeliger Diolenwatte, streift alle Schornsteige und Dächer ab drei Stockwerke aufwärts. Verwegene Garderobe an den Figuren, die über das Promenadendeck des Narrenschiffes flanieren. Die Palme des Prekariats, auch Prol-Palme genannt, ziert wieder selbstbewußt in grober Eleganz die Köpfe einiger Personen. Blond-blau-grünhaarige Elfen mit Smartphoneschutzhüllen aus reinem Mithril, mittelalte Junker in roten, karogesteppten Daunenjacken, alle bewaffnet mit Kamm und Zigarette, pendeln zwischen Tabakshop –