Drei alte Damen unterhalten sich über den Tod der anderen, deren Bgräbnisse und das niemand von ihnen in Istanbul begraben sein wolle, weil dem Herbert seine ist jetzt gestorben, aber der Friedhof in Istanbul ist so uzzelig. Das möcht man doch nicht. In so einem Durcheinander liegen.

Auf dem Friedhof soll alles gerade, waagerecht, senkrecht und lotrecht sein. Schiefe Gräber sind ein NoGo. Da rollt die Leiche doch hin und her.

Wir gönnen den Toten keine Regellosigkeit.

„Ordnung“, ruft der Totengräber, „ist das halbe Leben.“

Ein alter Mann telefoniert mit lauter Stimme im Café, und ich erfahre, dass er jetzt im Café ist und Kaffee trinkt. Diese Nachricht verbreitet er wortgleich in drei Telefonaten. Ganz offenbar schützt Alter nicht vor Dummheit und Ignoranz.

Uppsi. Die Wahrscheinlichkeit, in fünf Jahren 1,5° mehr zu haben, liegt bei fünfzig Prozent. Tendenz steigend. Der Verkehrsminister sponsort Hybridfahrzeuge, statt öffentlichen Nahverkehr. Auf hoher See würde mensch sagen: Gegen den Wind gepisst, wenn mensch nicht genug damit zu tun hätte, andere zu retten, zu rammen oder nach Lybien zurück zu schubsen.

Was wird uns in zehn Jahren mehr beuteln? Das Klima oder die chinesische Ausdehnung?

Es gibt einen neuen Nachbarn. Er steht vor der Haustür und sagt: „Hömma. Bin ich Nr.2 von Boss.“

Neben ihm steht eine Hausmeisterwurst und flüstert laut: „Brandschutz. Denk an den Brandschutz“ in sein Ohr.

Grund ist einn anderer Nachbar, der eine Wohnung mit 2000,- € Stromschulden vom Vormieter angemietet hat. Die Stadtwerke haben alles abgestellt, und damit seine vier Kinder ihr Handy laden können und er seinen Kaffee kochen, hab ich ihm eine unserer Steckdosen zur Verfügung gestellt.

„Hömma Chef. Der muß raus. Ich versteh ja. Guter Mensch und Demokrat und so, aber der muss raus.“

Je länger ich die beiden anschauen und anschweige, werden die Anschuldigungen immer kruder. Ich erlebe hier den kleinstädtischen Versuch einer Entmietung. Vier Stunden später im Garten das gleiche Spiel. Die Hausmeisterwurst brabbelt vom Brandschutz, während Nr.2 mich von der Rechtmäßigkeit seines Vorhabens zu überzeugen versucht.

Die Gerüchteküche spricht von Hostel, Café, Kulturzentrum, Bordell oder Drogenlabor.

Das Haus des Schreckens hat jetzt ein FlappFlapp in der Form eines grimmig blickenden HoodieHuhns mit einem schmächtigen, föhngetriebenen Winkeärmchen.

Ein rotes Cabrio mit aufgebohrtem Arschlochauspuff steht 15 Minuten, in zweiter Reihe, leer, mit laufendem Motor, vor dem Schreckenshaus. Dann kommt jemand männliches und fährt weg. Sofort hält ein schwarzer Benz mit Arschlochauspuff an eben dieser Stelle, der Fahrer steigt aus, läßt den Motor laufen und bleibt zehn Minuten daneben stehen.

Die Luft wabert.

FlappFlapp. FlappFlapp. FlappFlapp.

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