Still

Still. Kein Wort kommt raus, auch, wenn alle Worte da sind. Ich schreie sie in mir. Sie prallen gegeneinander, zerbrechen, verlieren ihren Sinn, bedeuten plötzlich das Gegenteil. Still. Gewalt beginnt innen. Fantasien, wie ich röhrenden Arschlochautos zerstückele, Braunkohlebagger sprenge, Menschen den Friede auf Erden Weihnachtsbaum um die Ohren haue, Schwurblern Domestos mit Ivermectin kredenze. Still. Wir akzeptieren 234 Tote pro Fussballspiel in Quatar während der WM. Still. Wir akzeptieren erfrorene

Sumpfsack

Lange nichts mehr im Lügenland veröffentlicht. Wozu auch. Mir wurden, seitens der Politik, die letzten eineinhalb Jahre so viele Lügen um die Ohren gehauen, wissenschaftliche Aussagen als nicht wichtig oder nicht richtig verkauft, während kleingeistige, raffgierige PolitikerInnen durch Elend, Masken und Tests mit einem Rundum-sorglos-Paket ausgestattet wurden, dass mein Eindruck, Deutschland sei eine reiche, korrupte Bananenrepublik, sich enorm verfestigt hat. Das ist bekannt, aber gerade bricht die Gier und Rücksichtslosigkeit

Nippel

Hier niest jemand lautstark. Es hört sich an wie Hahnenkrähen. War da nicht etwas mit drei mal Kikeriki und Jesus? Wer wird denn heute verraten? Ach, ziehen Sie einfach eine Karte aus dem BürgerInnenregister. Da können Sie nichts falsch machen. Großes Gebrülle von Reibekuchen-Elli zur Unterstützung der Ordnungsamtsfrau, weil ein grimmiger, flaumiger Jungspund die Maske verweigert. Beruhigend, dass die versammelte Mendener Marktpopulation sich unisono dem Jüngling zuwendet für eine kleine

Die Idee

Gestern abend hatte ich eine Idee. Und wie das mit nächtlichen Ideen so ist, legt mensch sie besser erst mal an die Seite und schläft eine Nacht darüber. Jetzt, bei strahlendem Sonntagslicht überprüfe ich sie und finde immer noch Gefallen daran. Nächstes Wochenende ist ja Ostern. Und zum ersten Mal in der langen Kreuztrachttradition wird nicht ein Jesus hier über den Berg gehen. Ich habe schon öfter über dieses Ritual

Im Name der Rose

Der vierte Tag in Folge mit linksseitigen Kopfschmerzen. Von hinten ins Auge. Der linke Pfeiler des Himmels fühlt sich an, als glühe er an der Spitze. Schlucken schmerzt. Angespannte Haut, wie bei einer Schwellung, nur ohne sichtbare Schwellung. Es sticht ins Ohr, es sticht ins Auge. Plötzlich. Ohne Vorwarnung. Der Trigger ist noch nicht gefunden. Aspirin greift nicht. Wenn es sticht, speichelt mein Mund vor Übelkeit ein, Essen macht da

Lügenlandlieder

Das ist schon morgen. Und ich feile noch an einem Lied, dessen Text erst vorgestern fertig geworden ist. So gehört sich das. Kommt morgen rein in die Galerie der Freiraumgestalter, in Mendens Innenstadt. Um 19.00 Uhr geht es los.

Angst

(ein Text von 1997) Manager und Pferdezucht Herrenbrut wie Ammoniak Es gibt diese Angst wie ein Hintergrundrauschen Ein Riverquaimarschecho Denn nur was richtig sauber ist kann richtig glänzen Für Sekunden Stunden Tage ist die Seele ein dünnes Häutchen Dann lügen selbst Bäume, wenn sie grüne Blätter tragen Dann ist alles Lüge und ein Nein so schwer wie tausend Morde gewürgt mit eigener Hand Prometheus der Herrschaftsherd hat mit seinem Gas

aua

„So, Sie sind ja hier, weil wir Ihnen die Zähne beschneiden.“ Das hört sich so grausam an wie jede Beschneidung, und am liebsten möchte ich den Ort sofort wieder verlassen. Über mir rast das hyperaktive Frettchen, oder was auch immer das ist, aus IceAge über den Bildschirm und das macht es nicht besser. Ob es wohl psychologische Gründe hat, das zunächst, kaum dass man* im Zahnarztstuhl sitzt, nach kurzem Smalltalk

Erinnerungen beim Fahrradfahren

Es frischt auf. Irgendwo ist ein reinigendes Gewitter niedergegangen. Der trockene Garten riecht nach Süden. Es ist warm genug, dass aus nachbarlichen Nadelhölzern. ätherische Öle herüberwehen. Die Landstraße, grau und staubig, erzählt von der Sehnsucht, ihr zu folgen. „Weißt Du noch? In Pantoffeln bis und durch Paris und durch den Rest der Normandie getrampt, als blinder Passagier nach Korsika, oder die Nacht in der französischen Bushaltestelle, wo der seltsame Typ

Nabelhernie

Ich bin dann doch eher naiv im Umgang mit dem Krankenhaus. Zumal ich es von innen nur als Besucher kenne, nicht als Insasse. Als Besucher sind die Erfahrungen so 50/50. Die Oma hier verstorben, der Vater ebenfalls, der Umgang mit pflegeintensiven Patienten ist eher ausbaufähig. Druckstellenfrei rein, mit Dekubitus wieder raus, ist so oft Tatsache, dass es fast normal scheint. Das heißt, die Grundstimmung ist eher verhalten, wenn ich an