Begleitende Gedanken zur nächsten Inszenierung XV

„Ich mach den Fernseher gar nicht mehr an. Ich ertrag es nicht mehr“, meint der Dackelrentner am Rollator. Die Resultate seines vergangenen Lebens bereiten ihm Angst. Auch, wenn eine Mitschuld für ihn völlg ausgeschlossen ist. ‚Die da oben‘ ist die gängige Floskel auf die Frage nach Verantwortung. Das Kunstfloß auf der Weser Richtung Dokumenta, hängt wegen wenig Wasser fest im Bett. „Draußen können wir so schlecht sitzen. Da kommen immer

Begleitende Gedanken zur nächsten Inszenierung XIV

Mendener Sommer ist, und gleich die erste Band fällt aus wegen Covid 19. Kein Bon-Jovi-Klon, sondern Roxette-Kopie. Mendener Massen hotten maskenlos rum. Die Tage soll es 45° C rund um Köln werden. Da möchte mensch doch gerne mit laufendem Motor auf dem Ring im Stau stehen und zuschauen, wie die Reifen schmelzen. Auf dem Friedhof, in Nachbars Shisha-Gaten, sprießt fröhlich unter rotem Mulch das satte Grün von Giersch, Brennessel und

Begleitende Gedanken zur nächsten Inszenierung XIII

Als wenn das allgemeine Chaos und die Hitze nicht schon genug wären, hat mich ein wildes Tier in den Hals gebissen. Kurz oberhalb des Schlüsselbeins trieb es Stachel oder Zahn hinein. Auch möglich, das es da hingepinkelt hat. Die Ameisen im Garten benutzen eine sehr starke Säure. Jetzt wächst mir ein Quaddelkopf. Sydney steht unter Wasser. Juchhu. Burn baby burn, flüstert leise der Planet. Die Party ist schon voll im

Begleitende Gedanken zur nächsten Inszenierung XII

Jeden Mogen die gleiche Frage. Wie vielen unangenehmen Menschen werde ich heute begegnen. In sauerländischen Kleinstädten ist das häufig 9/10 der Gesamtbevölkeung. Zusätzlich noch das kleinstadtübergeifende Phänomen der TschiborentnerInnen. Das sind die, die den Planeten nachhaltig geschädigt haben und jetzt, großkotzig in Beige mit ihem E-Bike alles niedermähen, was nicht bei drei im Straßengraben ist, und sich, mit einem dummen Spruch, aus der Verantwortung davonsterben. Wozu hab ich jahrelang meditiert,

Begleitende Gedanken zur nächsten Inszenierung XI

Die Kirmes ist vorbei. Vier Schlägereien und ein sprunghafter Anstieg der Inzidenz. Die SchaustellerInnen sind zufrieden. Müllberge werden beseitigt und über der Stadt hängt eine Dieselglocke von den Zugmaschinen der Fahrgeschäfte. Die EU will ab 2035 keine Verbrennungsmotoren mehr. Sinnvol wäre ab 2025. Es dauert dann eh noch 15-20 Jahre – ich hab ne Sondergenehmigung, Attest vom Arzt, ist doch historisch – bis die Dreckschleudern wirklich verschwunden sind. Dann wird

Begleitende Gedanken zur nächsten Inszenierung X

Das Auto der Liebsten ist in den Focus der Nachbarschaft gerückt. Kleinwagen ohne Arschlochauspuff haben auch noch LiebhaberInnen. Orkanwarnungen schwappen über NRW. Der neue Sound of summer. Ohne Naturkatastrophe ist Sommer doch kein Sommer. Ihr freundlicher Tornado aus der Nachbarschaft. Der Morgengruß ist nicht mehr: „Guten Morgen“, sondern: „ Haben wir noch ein Dach?“ Affenpocken sind gerade der heiße Scheiß. Ob Menschen irgendwann begreifen werden, daß es einen direkten Zusammenhang

Begleitenden Gedanken zur nächsten Inszenierung IX

Drei alte Damen unterhalten sich über den Tod der anderen, deren Bgräbnisse und das niemand von ihnen in Istanbul begraben sein wolle, weil dem Herbert seine ist jetzt gestorben, aber der Friedhof in Istanbul ist so uzzelig. Das möcht man doch nicht. In so einem Durcheinander liegen. Auf dem Friedhof soll alles gerade, waagerecht, senkrecht und lotrecht sein. Schiefe Gräber sind ein NoGo. Da rollt die Leiche doch hin und

Begleitende Gedanken zur nächsten Inszenierung VIII

In Hagen gibt es ein kleines, griechisches Cafe – oder ist es ein Bistro – mit einem schmalen Eingang, der durch den Stehtisch der RaucherInnen noch schmaler wird, während von innen, einer der vier Tische die Hälfte der Eingangstür versperrt. Wenn wir keine Barrieren haben, bauen wir eben welche. Der Tisch der Versperrung ist die Fanbase der Potteristas. Hermine, Harry und wie sie alle heißen mögen, blicken aus Edelstahlrahmen auf

Begleitende Gedanken zur nächsten Inszenierung VII

Brr. Kalt. Pünktlich, als Aprilscherz, fällt weißer Matsch von oben. Ich heize ein Zimmer im gesamten Haus. Frieren für den Frieden. Am nächsten Morgen ist alles eingeschneit. Ein Tag winterlicher Stille vor dem Haus. Die Arschlochautos drehen durch. Die russischen Aggressoren auch. Es ist die Zeit kriegstypischer Massaker. Vergewaltigen, ermorden, lügen, sind Strategien des Krieges. Schrecken verbreiten. Nationalitätenunabhängig. Gelebte Männermacht der übelsten Art, wenn das Virus der Zerstörung erst einmal

Begleitende Gedanken zur nächsten Inszenierung VI

Weltweiter Streik ist vom FFF. Die Blase von „mir doch egal“ bleibt stabil in der Kleinstadt. Anonymous macht spannende Sachen. Gute Idee, Kopierer zu hacken, so dass diese als erstes eine pdf-Datei drucken, die erklärt, wie Tor funktioniert und wie russische Sperren umgangen werden können. Pestfest ist in der Stadt. Schnickschnack-Stände neben PestilenzverehrerInnen in grob gewebter Wolle, Trockenfleisch und Honigmet, Auto- und Motorradhonks und Menschen. Dicht an dicht und ohne